Überblick über die verschiedenen HDR-Formate

Vor der Anschaffung eines neuen Fernsehers sollte man eruieren, was dieser zu bieten hat. Schnell stößt man dabei auf High Dynamic Range (HDR) – ein Begriff, den wir bereits vor einiger Zeit in seinen einzelnen Bestandteilen untersuchten. Unter dem Begriff versteht sich eine Reihe technologischer Komponenten, die im Zusammenspiel die Erstellung von Bildern mit hohem Dynamikumfang und mehr Farbinformationen ergeben und damit die Bildqualität deutlich verbessern. Inzwischen ist HDR in einer Vielzahl an Formaten verfügbar, die wir nachfolgend unter die Lupe nehmen.

HDR-10

Aktuell haben sich zwei Formate durchgesetzt. Bei dem einen handelt es sich um HDR-10 (Kurzform für HDR-10 Media Profile), welches frei zugänglich ist. Aus diesem Grund ist es das am weitesten verbreitete Format und kann von jedem Hersteller ohne Lizenzkosten implementiert werden.
HDR-10 wurde 2015 von führenden TV-Herstellern und einer Vielzahl an Firmen entwickelt. Ein Fernseher, der dieses Format unterstützt, hat bis zu 1024 Helligkeitsstufen, was einem 10 Bit-Signal entspricht. Somit werden die Bildinhalte von Weiß bis Schwarz besonders kontrastreich dargestellt. Aus einem technischen Blickpunkt betrachtet sind alle aktuellen HDR Blu-rays HDR-10-Discs. Weiterhin wird das HDR-10-Format von Streamingportalen wie Netflix und Amazon Video unterstützt und mit dem Format wird der BT.2020 Farbraum abgedeckt. Nicht zuletzt hat das Format fixe HDR-Metadaten, das heißt die HDR-Informationen werden einmal für den gesamten Film und nicht Bild für Bild festgelegt.

Dolby Vision

Das andere sehr weit verbreitete HDR-Format ist Dolby Vision. Ebenfalls 2015 entwickelten die Dolby Labs ein firmeneigenes Format, das mit einem höheren Standard als HDR-10 gemastert wird. Dolby Vision stellt bis zu 4096 Helligkeitsstufen dar, was 12 Bit entspricht. Auch Dolby Vision bildet den BT.2020 Farbraum ab, hat anders als HDR-10 aber dynamische HDR-Metadaten – dazu später mehr.
Da es nicht frei zugänglich ist, sondern Lizenzgebühren anfallen, ist Dolby Vision nicht ganz so verbreitet wie HDR-10. Netflix zählt aber auch hier wieder zu den Providern, die den Dienst unterstützen und es gibt auch bereits einige Ultra HD Blu-rays mit Dolby Vision-Unterstützung. Ebenso haben alle LG OLEDs sowohl HDR-10 als auch Dolby Vision.

Hybrid-Log Gamma

Bei Hybrid-Log Gamma (HLG) handelt es sich um ein lizenzfreies HDR-Format, das in erster Linie einen neuen Übertragungsweg für HDR beschreibt: Es wurde speziell für das Ausstrahlen von Kabel- und Satellit-Programmen geschaffen. Das Ziel ist es, die Inhalte verschiedener Streaming-Portale sowie HDR-Inhalte über Kabel in bestmöglicher Qualität auszustrahlen. Entwickelt wurde dieses Format von der britischen BBC und dem japanischen Sender NHK.
Wie von anderen Formaten bekannt ist auch bei HLG das Ziel, Bildinformationen möglichst natürlich und authentisch wiederzugeben, hier wieder mit einem 10 Bit-Signal. Weiterhin werden die Metadaten so erstellt bzw. den Ultra HD-Sendern ein Videostream der Art bereitgestellt, dass die Inhalte von SDR- und HDR-Geräten empfangbar sind. Somit lassen sich die HLG-Bilder von HDR/4K-Fernsehern als auch von SDR-fähigen Modellen abspielen. Allerdings bleibt noch abzuwarten, wann und wie sich HLG durchsetzen wird.

HDR10+

HDR10+ bzw. HDR10 Plus ist ein Format von Samsung und Amazon Video. Das Format wurde als Kontrast zu Dolby Vision entwickelt, anders als jenes ist HDR10+ allerdings lizenzfrei. Lediglich ein administrativer Beitrag muss gezahlt werden. Im Prinzip erweitert es HRD-10, das statische Metadaten enthält, um dynamische Metadaten. Auch hier ist das Signal 10 Bit und der BT.2020 Farbraum wird abgedeckt. Zwar ist HDR10+ bisher ein neuer Standard, doch das Interesse und die Unterstützung sind absehbar.

Fixe und dynamische Verfahren

Da wir gerade bei fixen und dynamischen Metadaten waren – noch einmal knapp zusammengefasst: Während dynamische HDR-Verfahren den Film Szene für Szene oder sogar pro Frame definieren können, werden bei den statischen HDR-Verfahren die grundlegenden Einstellungen für Helligkeit, Kontrast und Gamma für den kompletten Film festgelegt. Ob es sich um fixe oder dynamische Metadaten handelt wird bei der Produktion festgelegt.
Sowohl HDR10+ als auch Dolby Vision sind um dynamische Metadaten erweitert. Außerdem sind sie abwärtskompatibel zu aktuellen SDR-TV-Geräten.

Schlussworte

Die meisten Abspielgeräte unterstützen HDR-10 oder Dolby Vision – ein Blick ins Datenblatt hilft, herauszufinden, ob ein entsprechendes Gerät ein 8 oder 10 Bit-Panel besitzt. (12 Bit-Panels gibt es jedoch aktuell noch nicht.) Bisher hat es sich so herauskristallisiert, dass beide HDR-Formate koexistieren können. Wer also die meisten HDR-Inhalte abspielen möchte, sollte sich ein TV-Modell zulegen, das beides in sich vereint. Doch auch HDR10+ wird kommen und sicherlich relevant sein.

Update 08.01.2018

Nach neuesten Informationen beginnen Panasonic, 20th Century Fox und Samsung mit der Lizensierung von HDR10+. Sobald dieses frei zugänglich ist, wird die Technik in kommenden Ultra HD Film-Veröffentlichungen, einer Vielzahl an Fernsehern, Ultra HD Blu-ray-Playern und anderen Geräten integriert.
Die 2017 UHD und QLED-Geräte von Samsung gehört bereits zu jenen, die Inhalte mit HDR10+ wiedergeben können. Panasonic wiederum plant die HDR10+-Unterstützung in der 2017er 4K Pro-Reihe mit einem Software-Update einzuführen. Alle 4K-Fernseher, die Panasonic dieses Jahr herausbringt, sollen direkt HDR10+ fähig sein. Auch Philips plant für diesen Jahr die Integration, möglicherweise gibt es für das Vorjahr auch ein Firmware-Update. Mit HDMI 2.1 kommt für die Ultra HD Blu-ray voraussichtlich ebenfalls die HDR10+-Integration.
Wie erwartet tut sich in diesem Bereich also einiges und HDR10+ ist nicht zu unterschätzen!

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