Streaming für die HiFi-Anlage – Ein Überblick

Die Loslösung der Musikaufnahme vom physischen Tonträger sowie die Möglichkeit Musikdateien in verschiedensten Formaten auf Computer, Laptop, Smartphone oder Server zu speichern hat das Anforderungsprofil an die klassische HiFi-Anlage ohne Frage verändert und inzwischen ist es dank der Online-Streaming Dienste theoretisch möglich vollständig auf eine lokal gespeicherte Musikbibliothek zu verzichten. Als Reaktion auf diese Veränderungen tummeln sich auf dem Markt zahllose Lösungen, die für eine nahtlose Integration der digitalen Sphäre sorgen sollen. Neben speziellen Zusatzgeräten gibt es auch solche Produkte, die ursprünglich separate Gerätekategorien in sich vereinen und gleich mehrere Funktionen übernehmen. Ohne eine besondere Affinität zu dieser Thematik, kann man da schon mal den Überblick verlieren. Wir zeigen Ihnen anhand einiger Beispiele, auf welche Komponenten es wirklich ankommt.

Streaming für die HiFi-Anlage

Lokaler Datenspeicher und Online-Streaming

Wir beginnen bei der Quelle und bringen uns kurz auf den aktuellen Stand bezüglich lokaler Speicherung und Online-Streaming. Mit letzterem haben wir uns bereits eingehend in einem früheren Artikel beschäftigt. Nach einem kurzen Recherche-Update lässt sich festhalten, dass die dort bereits gewonnenen Erkenntnisse immer noch gelten. WIMP ist nach wie vor der einzige Anbieter von verlustfreiem Streaming in CD-Qualität. Bei den anderen Anbietern ist in dieser Hinsicht noch Luft nach oben und Hi-Res Audio via Streaming ist zurzeit noch gar kein Thema. Einer der Hauptgründe dafür ist sicherlich die zu geringe Bandbreite der Datenleitungen, die dazu führt, dass eine zuverlässige Übertragung solch großer Datenmengen nicht gewährleistet werden kann. Darüber hinaus sind die Kataloge der Anbieter trotz ihrer beeindruckenden Größe begrenzt und im Zweifelsfall muss man auf bestimmte Künstler schlicht verzichten. So scheint alles in allem ein vollständiger Verzicht auf lokal gespeicherte Musikdateien also derzeit noch nicht ratsam und ist vor allem dann keine Option, wenn Sie Wert auf besonders hohe Auflösungen legen.

Aufgrund der noch begrenzten Möglichkeiten des Online-Streaming dürfte also das lokale Streaming aktuell das weiter verbreitete Szenario sein. In diesem Fall liegen die Daten beispielsweise ganz banal auf der Festplatte des zuhause genutzten Computers oder Laptops. Ebenso ist sind Smartphone, Tablet oder mobiler Musikspieler als primäre Quelle für Musikdateien denkbar. Eine dritte Alternative wäre die Speicherung auf einem externen Server. Hier gibt es einerseits spezielle Geräte der einschlägigen HiFi-Hersteller, andererseits erfüllt aber auch ein beliebiger NAS (Network Attached Storage) grundsätzlich denselben Zweck. Unabhängig davon ob die Musik am Ende aus dem Netz oder von der Festplatte kommt, bedarf es jedenfalls einer Schnittstelle, die zunächst die Daten empfängt, die digitalen Informationen dann in ein analoges Signal wandelt und dieses Signal anschließend dem Verstärker der Stereoanlage zur Verfügung stellt. Im Folgenden soll es um verschiedene drahtlose und kabelgebundene Varianten eben dieser Schnittstelle gehen.

Ethernet-/W-LAN Brücke

Die erste hier vorgestellte Gerätekategorie lässt sich wohl am Besten als Brücke zwischen Verstärker und Quelle beschreiben. Angeschlossen an die Stereoanlage empfangen Sie die Musikdaten via Ethernetkabel oder über ein W-LAN Netzwerk und übernehmen gleichzeitig intern die Digital-Analog-Wandlung. Solche Brücken finden Sie zum Beispiel in den Produktkatalogen der Streaming- und Multriroom-Spezialisten Bluesound, Denon Heos und Sonos. Grundsätzlich ähnelt sich die Funktionsweise bei allen drei Anbietern, so erfolgt die Steuerung hauptsächlich mit den herstellereigenen Apps via Smartphone, Tablet oder Desktop-Computer. Je nachdem welche Streaming-Dienste Sie eventuell nutzen möchten, welche Funktionen und Formate Ihnen besonders wichtig sind und ob Sie auf hoch aufgelöste Musik über CD-Qualität wert legen, fallen die Empfehlungen dann aber gegebenenfalls unterschiedlich aus. Unsere Vergleichstabelle fasst einige wesentliche Kernpunkte in aller Kürze zusammen.

Vergleich Blusound, Heos, Sonos

Kabelgebunden oder kabellos mit DAC

Sofern Hi-Res Audio für Sie ein Thema ist oder Sie einfach nur sicherstellen möchten, dass ihre digitalen Musikdaten kompromisslos gut umgesetzt wird, sollte Ihr Hauptaugenmerk unter Umständen auf einem hochwertigen, externen DAC (Digital-Analog-Wandler) liegen. Eine ganze Reihe von Herstellern bietet Wandler in ganz unterschiedlichen Preiskategorien an. Sie können dann eine Zuspielquelle kabelgebunden per USB oder über die optische Schnittstelle direkt an den DAC anschließen. Sollten Sie auf eine Drahtlos-Übertragung nicht verzichten wollen, besteht darüber hinaus natürlich auch die Möglichkeit das Signal am Digitalausgang einer Brücke abzugreifen und dann zu extern wandeln. So kombinieren Sie zwei Lösungen miteinander, die auch jeweils für sich betrachtet ans Ziel führen.

Netzwerk-Player und All-In-One

Als umfassende Rundum-Sorglos-Lösungen für die Einbindung von Online- und lokalem Streaming gleichermaßen präsentieren sich die sogenannten Netzwerk-Player und All-In-One Geräte. Um im Bilde zu bleiben, könnte man sie als High-End Brücken mit erweitertem Funktionsumfang bezeichnen und obwohl die Hersteller teilweise sehr unterschiedliche Schwerpunkte setzen, gibt es doch einige Gemeinsamkeiten. So dürfen Sie die Unterstützung hoch aufgelöster Musikdateien hier in aller Regel erwarten und entsprechend der veranschlagten Preise sind selbstverständlich auch die verbauten Wandler von ordentlicher Qualität. Zahlreiche Ein- und Ausgängen für alle Eventualitäten, zum Beispiel für den schon angesprochenen externen DAC, sind ebenfalls vorhanden und selbst wenn der jeweilige Hersteller eine App im Angebot hat, finden Sie darüber hinaus auch Steuerelemente am Gerät sowie eine klassische Fernbedienung. Abhängig vom Fabrikat kommen zur Datenübertragung per Ethernet- oder W-LAN Verbindung sowie der anschließenden D/A-Wandlung und Bereitstellung des Musiksignals zusätzlich noch ergänzende Features hinzu, die vom FM/DAB+/Webradio-Tuner, über den eingebauten CD-Player, bis hin zum integrierten Server oder Verstärker reichen können. So ist es theoretisch sogar möglich mit nur einem Gerät, eine ganze HiFi-Anlage zu ersetzen.

Fazit

Fassen wir noch einmal zusammen. Bekanntermaßen führen viele Wege nach Rom, aber im Prinzip basiert die Einbindung digitaler Musik immer auf denselben Grundelementen:

  • Quelle (Online-Streaming oder lokaler Massenspeicher)
  • Schnittstelle (Übertragung und Digital-Analog Wandlung)
  • Endpunkt (Verstärker und Lautsprecher)
  • Mit dieser Einteilung im Hinterkopf und im Bewusstsein der eigenen qualitativen Ansprüche und Hörgewohnheiten, ist es leichter die Funktionen verschiedener Komponenten richtig einzuschätzen und zu einer individuell zufriedenstellenden Lösung zu gelangen.

    Tiefergehende Informationen zu der Funktionsweise eines Digital-Analog-Wandlers finden Sie übrigens auch in unseren Artikeln zur Digitalisierung von Musik nach dem PCM- und dem DSD-Verfahren.

    Update: Unser Bericht zu Auralic Aries Mini und Bluesound Node 2 könnte in dem Zusammenhang auch interessant sein.

    Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

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