» Radioempfang: UKW, DAB, DAB+ oder Webradio?

10. Oktober 2011
 

Bereits die letzten Jahre über war die Suche nach dem richtigen Radioempfänger schwierig, gibt es doch derzeit zahlreiche Möglichkeiten um seine Lieblingssender zu hören. Und es kommen immer mehr Empfangsmöglichkeiten dazu, so dass es immer schwerer wird sich für ein Empfangsgerät zu entscheiden. Die meisten Radiohörer stehen bei der Neuanschaffung von Empfangsgeräten vor 3 Problemen:

1. Mit welcher Empfangstechnik kann ich meine Lieblingssender hören?
2. Wie gut ist die erreichbare Klangqualität?
3. Wie lange kann ich den Empfänger nutzen? Wird DAB & UKW abgeschaltet?

Aktuelle Möglichkeiten sind:

1. UKW – der analoge Rundfunk wie es ihn seit Jahrzehnten gibt bietet immer noch viele Sender und eine recht gute Qualität. Die Bandbreite ist bei der Übertragungstechnik von Sender zu Sender unterschiedlich, im Mittel werden Frequenzen von etwa 35 Hz – 15kHz übertragen, die Stereoabbildung ist gut. Niemand weiß genau, wie lange UKW noch übertragen wird. Eine “harte Abschaltung” (Big Bang) ist eher unwahrscheinlich weil damit kaum noch ein vorhandenes Radio funktionieren würde. Möglich ist aber alles…

2. DAB – der erste flächendeckende Versuch digitalen Rundfunk in Deutschland zu etablieren war DAB. Technische Grundlage ist der Musicam Audio-Codec, welcher verglichen mit heutigen Codecs uneffizient arbeitet (MP3 ist eine weiterentwickelte, verbesserte Entwicklung von Musicam, eine Variante des MP2). DAB bietet prinzipiell die Möglichkeit einer sehr guten Klangqualität, da theoretisch Bandbreiten bis 256kbit/s möglich sind. Effektiv senden aber DAB-Sender in Deutschland mit maximal 128kbit/s, dadurch ist die Klangqualität in der Regel schlechter als bei UKW. Die Stereoabbildung ist etwas schlechter (durch eine schlechtere Kanaltrennung), zudem limitiert die Kombination aus niedriger Bandbreite und uneffizientem Codec, so dass bei ca. 14kHz das Ende der Übertragungsbandbreite erreicht ist. Vorteile von DAB gegenüber UKW sind der höhere Rauschabstand und größere Dynamikreserven. Da die meisten Radiostationen die Musik vor dem Senden nochmals komprimieren ist dieser theoretische Vorteil in der Praxis meist irrelevant. DAB ist inzwischen kaum noch empfangbar, da der Nachfolger bereits gestartet ist.

3. DAB+ – die Weiterentwicklung von DAB arbeitet mit einem effizienterem Codec, allerdings lässt sich dafür nicht jeder DAB-Tuner nutzen. In der Regel ist eine Neuanschaffung erforderlich. DAB+ soll flächendeckend eingesetzt werden und eine große Sendervielfalt bieten in einigen Jahren. Durch Verwendung des effizienten AAC-Codecs ist theoretisch eine sehr gute Klangqualität realisierbar – in der Praxis senden die derzeit empfangbaren DAB+-Sender allerdings mit Datenraten von MAXIMAL! 64kbit/s, so dass die Qualität bestenfalls das Niveau von DAB erreicht, oftmals aber noch deutlich darunter liegt. Vorteil der geringen Datenraten sind niedrigere Sendekosten, da mehrere Kanäle auf den gleichen Frequenzen übertragen werden können. Ob sich DAB+ in Deutschland flächendeckend erfolgreich durchsetzt ist noch nicht sicher. Qualitativ ist DAB+ derzeit keine ernstzunehmende Alternative, auch die Senderauswahl und verfügbarkeit ist mäßig.

4. Webradio – am meisten Potential bietet derzeit das Webradio. Internetradio bietet die mit Abstand größte Senderauswahl und im Idealfall die beste Empfangsqualität (es sind verschiedene Codecs mit nahezu beliebigen Bitraten einsetzbar). Internetradio kann mit jedem PC oder jedem dafür gebauten Tuner empfangen werden, so dass die Anschaffungskosten gering sind. Zudem ist Webradio wohl auch die zukunftssicherste Empfangsvariante.
Die einzigen beiden Einschränkungen für Webradio: Es muss Internet verfügbar sein. Da aber immer mehr Menschen Smartphones mit Internetflatrate besitzen ist das immer seltener ein Problem. Wenn es etwas störendes am Webradio gibt, dann ist dies die extrem unterschiedliche Übertragungsqualität. Die meisten großen deutschen Sender übertragen heute in MP3-Qualität mit Datenraten von 128kbit/s und mehr, einzelne Sender weichen aber noch deutlich nach unten ab. Erwartungsgemäß wird sich aber mit immer schneller werdendem Internet auch die Sendequalität immer weiter verbessern – so dass hier ohne Gerätenachrüstung über viele Jahre mit einer ständig steigenden Qualität zu rechnen ist.

5. Radio über Satellit und Kabel – TV-Geräte und Set-Top-Boxen können neben dem TV-Programm auch Radio empfangen, wenn der Kabel- oder Satelliten-Betreiber diese einspeist. Der größte Vorteil dieser Übertragung sind die recht großen Bandbreiten von bis zu 320kbit/s, allerdings mit dem weniger effizientem MP2 Codec (Musicam). Wer den bestmöglichen Klang über Radio sucht hat derzeit über Kabel (DVB-C) und Satellit (DVB-S) die besten Möglichkeiten. Allerdings wird niemand garantieren, wie lange Radiosender über Satellit, vor allem aber über den Kabelbetreiber, ausgestrahlt werden.

Fazit: Derzeit gibt es 3 Empfangsmöglichkeiten, welche wir empfehlen können.

Internetradio dürfte für die meisten Interessenten derzeit die erste Wahl sein. Beste Empfangsqualitäten, Zukunftssicherheit und größte Senderauswahl sprechen dafür. Als Empfangsgerät bieten sich entweder separate Tuner wie der Denon 720, der Rotel RT-09 oder der Naim NDX an. Viele Netzwerktuner bieten zusätzlich weitere Empfangsmöglichkeiten – etwa UKW und DAB an. Wer darauf verzichten möchte erhält mit Sonos eine spannende Möglichkeit die bestehende Anlage um Streaming-Eigenschaften zu erweitern

Als günstigste und klanglich gute Variante ist auch UKW noch empfehlenswert. Die Wahrscheinlichkeit des “Big Bangs”, der harten UKW-Abschaltung halte ich für eher gering – kann es aber nicht garantieren. Hier bieten sich besonders preiswerte, klanglich vernünftige Tuner an, z.B. die Project Tuner Box oder auch der Denon TU-1510.

Wer kompromisslos und “high-endig” Radio hören möchte sollte sich eine Sat-Schüssel oder wenigstens einen Kabelanschluss gönnen und über DVB hören. Zwingend erforderlich für das Abschöpfen der besten Tonqualität ist entweder ein separater, hochwertiger Empfänger, z.B. ein Restek MSat+ oder MCab, oder aber der Einsatz eines normalen TV-Empfänger, welchem man aber einen hochwertigen D/A-Wandler, z.B. den Musical Fidelity M1DAC zur Seite stellen sollte. Gerade bei Kabelanbietern ist das Angebot an Radiosendern nicht immer durchschaubar, so dass Sie sich vorab ein Gerät zum testen ausleihen sollten und beim Kabelanbieter anfragen sollten, ob Änderungen am Radioangebot absehbar sind.

6 Antworten zu “Radioempfang: UKW, DAB, DAB+ oder Webradio?”

  1. Walter Herrmann sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    welche Geräte sind empfehlenswert um über SAT oder
    Internet Radio Empfang zu ermöglichen mit
    nahezu HiFi Qualität.
    Für Ihre Bemühungen um Info wäre ich Ihnen sehr dankbar

    Mit freundlichen Grüßen
    Walter Herrmann

  2. Hallo Herr Herrmann,

    da gibt es zwei Möglichkeiten:

    Entweder einen “normalen” Sat-Empfänger welcher Digital in einen Digital/Analog-Wandler spielt, oder aber den Restek MSat+, welcher ausschließlich Radio über Satellit empfängt, dafür aber so hochwertig ist, dass Sie ihn direkt an einen bestehenden Verstärker anschließen können – ein D/A-Wandler ist dafür nicht erforderlich um besten Klang zu genießen.

  3. Ehrhardt, Werner sagt:

    Hallo,
    ich möchte mir eine Hifi Anlage kaufen. Der Empfang der Radio-Sender über SAT Schüssel, die Anlage sollte auch einen USB Anschuss für Notebook (I-Tunes) haben, weiter ein CD laufwerk.
    Ist das technisch umsetzbar, was für Komponenten brauche ich?

    MfG
    Werner Ehrhardt

  4. Hallo Herr Ehrhardt,

    den Radioempfang über SAT kann entweder ein beliebiger Sat-Receiver, oder ein Restek MSat übernehmen. Stereoanlagen mit USB-Anschluss für den PC gibt es ja einige, aber mittels externer Soundkarte (z.B. Project USB Box) lässt sich diese Funktionalität auch gut und recht preiswert nachrüsten.

    Insofern stehen ihnen alle Möglichkeiten offen, ich würde an Ihrer Stelle einen Händler in Ihrer Nähe aufsuchen und dann erstmal verschiedene Konstellationen anhören. Wir haben bestimmt 100 sinnvolle Möglichkeiten Komponenten zusammenzustellen welche Ihre Wünsche erfüllen. Eigentlich sollten Sie einen Händler in der Nähe aufsuchen um sich erstmal einen Überblick zu verschaffen was es gibt, wie es klingt und was es kostet.

    Wenn Sie eine effiziente und zielgerichtete Beratung vorziehen und nicht viel selbst hören möchten sollten wir mal telefonieren um die Rahmenbedingungen abzuklären (Boxen- und Raumgröße, favorisierte Musikrichtungen, Qualtiäts- und Preisklasse…). Tel. 030-2537530

  5. Gunter Hager sagt:

    Hallo
    Ich werde mir jetzt einen neuen Sat receiver mit
    Festplatte kaufen ( Kathrein etc ).
    Mein Tele ist 6 m von meiner HiFI Anlage entfernt .
    Ich werde auch einen Cambridge D/A converter kaufen .
    ( Fuer die Qualitaet )
    Worauf muss ich achten ?
    Vom SAT Receiver ( welcher digitale Ausgang Radio)?
    ——> DAC ( 6 m )
    Oder ist es besser Vom Sat
    Receiver direct in den DAC zu gehen ( Anschluesse ?)
    und dann analog zum Pre – Ampli ?
    Ich kann auch anrufen Bitte wann ist es fuer Sie am besten ?

  6. Hallo, ich würde den optischen Digitalausgang des SAT-Receivers nutzen, dann kann es zu keinem Brummen etc. kommen durch die galvanische Trennung der TV-Anlage und der HiFi-Anlage.

    Ein gescheites optisches Kabel, z.B. ein Optilink von Audioquest ist für die 6m-Verbindung bestens geeignet. Den DAC können Sie dann direkt bei Ihre Anlage stellen und dort – je nach Bedarf – auch noch weitere Geräte anschließen.

    Bei weiteren Fragen rufen Sie uns am besten an: 030-253753-0.

    Viele Grüße,

    Frank Wollsiefen
    HiFi im Hinterhof

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