Lautsprecher-Positionieren für Stereo-Betrieb

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Gewisse Themen verlieren auch nach Jahrzehnten nicht an Aktualität. Hierzu zählt das Positionieren von Lautsprechern. Der Sachverhalt als solcher und die damit potentiell einhergehende Problematik ist uns sowohl aus persönlicher als auch mehr als dreißigjähriger professioneller Erfahrung vertraut.

‚Akustische Wahrnehmung‘ ist ein komplexer psycho-physischer Vorgang mit einer Fülle an (variablen) Parametern (z.B. Luftdichte, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Materialien u.v.a.m.), die wir in diesem begrenzten Rahmen nicht aufschlüsseln. Wohl aber können wir auf bereits vorhandene Betrachtungen, Erfahrungen und Erkenntnisse zurück greifen und sie hier vereinfacht und praxisbezogen darstellen.

Ziel ist es, Hörposition und Lautsprecheraufstellung so zu definieren und zu ermöglichen, dass Musikhören Freude bereitet und Gefühl vermittelt. Dieser Findungsprozess erfordert Experimentierfreude, Neugier, etwas Fachwissen — und Zeit. Der Zeit- und ggf. Muskelaufwand wird mit Hörgenuss belohnt.

Ein Kommentar vorab: Marketingstrategen und -Texter sind kreative Menschen. Wenn wir also lesen, dass Lautsprecher X Audiomaterial so wiedergibt, wie es der Tonmeister / Toningenieur im Studio abmischte, dann ist das oberflächlich betrachtet nicht nur eine tolle Sache, sondern ein phänomenaler Genie-Streich. Sachlich ist und bleibt das falsch. Punkt.

Und ein Hinweis: Trauen Sie sich, ggf. unorthodoxe, undokumentierte oder unpopuläre Wege zu beschreiten. Soll heißen: Messwerkzeuge und Hilfsmittel erleichtern die Arbeit, keine Frage. Es sind sozusagen die Landkarten, mir deren Hilfe Sie Ihrem (Hör-)Ziel näher kommen. Schließlich und letztendlich ist es jedoch Ihr Gehör, das hoffentlich Vorrang vor Dogma und Messwerten hat.

Aufstellung / Abstand zu Wänden

Wählen Sie den Abstand der Lautsprecher zu sämtlichen vorhandenen Wänden so groß wie möglich, damit auftretende Reflexionen so spät wie möglich erfolgen und sie ihren Einfluss auf die Ortbarkeit des Audiosignals verlieren. Der Erfahrungs-Richtwert, ab dem sich üblicherweise keine Verbesserung mehr ergibt, liegt in Abhängigkeit vom Hörabstand zwischen 70-150 cm.

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Liegt das Maß wesentlich unter diesem Wert, so gibt es die Möglichkeit, den Einfluss der Reflexion durch Dämpfung oder durch Streuung zu vermindern. Bei der Dämpfung wird ein Teil der Energie durch Reibung transformiert, z.B. mittels schwerer Stoffe, die im Abstand weniger Zentimeter entlang der Wand aufgehängt werden oder mittels Wohnelemente wie Bücherregale, Sideboards u.dgl., die entlang der Wand positioniert werden. Optional empfiehlt sich der Einsatz von Dämm-Materialien. Auch hier empfiehlt sich die Wahl eines schweren Materials. Eine Fläche von 1 m Höhe und 0,5 m Breite um den Mittelpunkt der Reflexion liefert bemerkenswerte Resultate. Ziel ist es, den Schall per Streuung möglichst ungleichmäßig reflektieren zu lassen; z.B. mittels eines mit unterschiedlich großen Büchern gefüllten Regals. Optional können sog. Diffusoren verwendet werden.


Tipp

Wer auf Tiefenstaffelung besonderen Wert legt, wählt den Abstand des Lautsprechers zur Rückwand entsprechend groß. Der Wandabstand hat einen Einfluss auf den Bassbereich. Je näher die Lautsprecher oder der Hörplatz an eine Wand rücken, desto kräftiger wird die Basswiedergabe verstärkt. Es ist ratsam, die Abstände zur Wand hinter und neben dem Lautsprecher unterschiedlich zu bemessen; ein Verhältnis von mindestens 1:1,3 ist empfehlenswert.

 

Stereo-Dreieck

Audiosignale werden i.d.R. am besten akustisch abgebildet, wenn das sich ergebende Dreieck aus Hörer, linkem Lautsprecher und rechtem Lautsprecher entweder gleichseitig oder gleichschenklig ist. Ist die Distanz zwischen linkem und rechtem Lautsprecher geringer als der Hörabstand, um so weniger wird die Audio-Wiedergabe durch die Akustik des Hörraums beeinflusst, und desto höher ist der Eindruck sowohl der Mittenortung als auch der Fokussierung. Ein Hörabstand von mindestens 1,75 Metern sollte gewährleistet werden, damit sich die Schallfelder der einzelnen Chassis Zeit und Wegstrecke haben, um sich addieren zu können.

 

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Bei großen Lautsprechern, die nicht speziell auch für Nahfeld-Aufstellung entwickelt wurden, kann dieser Mindestabstand auch größer sein. Sollten sich bei Ihnen nur wesentlich größere Hörabstände als zwei Meter realisieren lassen, so ist besondere Sorgfalt bei der Inneneinrichtung des Hörraums zu empfehlen. Jeder Gegenstand dämpft einen Teil der Schallwellen, die an ihm reflektiert werden, wobei das Maß der Dämpfung frequenzabhängig ist. Leider werden höhere Frequenzen von fast allem bedämpft, insbesondere von Gardinen, Teppichen, Sesseln und Sofas; tiefe Frequenzen hingegen von großen Schränken oder Fenstern.

Das Klangbild wird darüber hinaus auch von der Gesamtgröße des Stereo-Dreiecks beeinflusst: Je kleiner die Seitenlängen, desto mehr wird der Hörraum akustisch ausgeblendet, das Klangbild wird deutlicher, aber auch präsenter und weniger räumlich. Auch hier gilt: Experimentieren. Und zwar mit Hilfe einer Mono-Schallquelle (Sprache, Gesang). Sie sollte gerade noch stabil mittig zwischen den Boxen ­abgebildet werden.

 

Einwinkeln

Je nachdem, wie nah oder wie fern die Lautsprecher an den (unbedämpften) Seitenwänden platziert sind, kann es zu mehr oder weniger stark auftretenden frühen Reflexionen kommen. Dies wiederum kann sowohl Ortungsschärfe als auch Tonalität beeinträchtigen. Das zuvor Geschriebene trifft auch hier zu: Experimentieren Sie bitte. Über schrittweise Vorgehensweise ermitteln Sie, bei welchem Grad der Einwinkelung Sie ein stimmiges, homogenes Klangbild empfinden.

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Klingt es dunkel, schwammig, schwerfällig, empfiehlt es sich, die den Schall abstrahlende Seite des Lautsprechers direkter auf den Hörer zu richten. Ertönt es zu hell, scharf, schrill empfiehlt sich weniger Einwinkelung und ggf. sogar eine Parallelausrichtung. Letztere Option kann allerdings dazu führen, dass die Mittenortung leidet – u.U. kann es sinnvoll sein, die Boxen stark einzuwinkeln (40-50 Grad) , so dass die Abstrahlachsen sich vor dem Hörplatz kreuzen. Diese Vorgehensweise kann auch den Sweet-Spot vergrößern.

 

Hinweis

Das am schwierigsten zu behandelnde Thema bei der Lautsprecher Aufstellung sind stehende Wellen. Als stehende Wellen bezeichnet man Schallwellen, deren Wellenlänge ein geradzahliges Vielfaches des halben Wandabstandes sind. Stehende Wellen verstärken den Bass und lassen ihn unpräzise erklingen, indem sie das Ausschwingen von Tönen unnatürlich verlängern.

 

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