Kopfhörer oder Knopfhörer – Musik unterwegs genießen

Es ist ein altbewährter Ratschlag aus dem Hi-Fi Lehrbuch: Lass das Ohr entscheiden. Obwohl für viele Nutzer bei der Wahl des mobilen Begleiters auch der modische Aspekt inzwischen eine wichtige Rolle spielt, zählt dieses Credo beim Thema Kopfhörer gleich im doppelten Sinne. Nicht nur was beim Trommelfell ankommt muss gefallen, auch der Tragekomfort sollte den individuellen Anforderungen genügen. Das eigene Ohr kann sich hier, insbesondere bei Repräsentanten der In-Ear-Variante, mitunter als ganz schön wählerisch herausstellen. Damit Sie auf der Suche nach „dem Richtigen“ schneller ans Ziel kommen, präsentieren wir Ihnen eine Reihe aktueller Kopfhörerkonzepte sowie deren Vor- und Nachteile.

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Intra-aural – Die Ohrhörer

Wir kommen gleich zur Sache und bleiben „in-ear“. Bei diesem Ansatz haben wir es viel treffender mit einem Ohrhörer, als mit einem Kopfhörer im klassischen Sinne zu tun, da ja ein Teil der Konstruktion in der Ohrmuschel verschwindet. In der Regel haben die Endstücke eine halbkugelartige oder konische Form und bestehen aus einem weichen Material. Viele Hersteller liefern inzwischen eine Auswahl verschiedener Aufsätze mit, sodass eine individuelle Anpassung zumindest im Ansatz möglich ist. Stellt sich auf diese Weise kein angenehmes Tragegefühl ein, besteht darüber hinaus die Möglichkeit beim Hörgeräteakustiker eine sogenannte Otoplastik herstellen zu lassen. Bei diesem Verfahren wird ein Abdruck des Gehörgangs sowie eines kleinen Teils des äußeren Ohres genommen und ein individuelles Endstück geformt. Das Prozedere geht in der Regel schnell und absolut schmerzfrei von statten. Anschließend lässt sich eine Vielzahl handelsüblicher In-Ear-Kopfhörer in die Otoplastik einsetzen. Ob ihr bevorzugtes Modell kompatibel ist, können Sie beim Hörgeräteakustiker erfragen. Diese Individuallösung kostet ohne den Klangerzeuger etwas über 100 Euro. Wie lange der perfekte Sitz gewährleistet ist hängt von zwei Faktoren ab, nur einen haben Sie selbst in der Hand. Zum einen sollten die Plastiken pfleglich behandelt und regelmäßig gereinigt werden, zum anderen verändert sich das Ohr im Laufe der Zeit, sodass unter Umständen nach einigen Jahren nachgebessert werden muss. Wie gut die Kombination zum Beispiel mit einem High-End-Hörer wie dem Sennheiser IE 800 funktioniert, können Sie hier nachlesen.

In-Ear und High-End: Der Sennheiser IE 800

In-Ear und High-End: Der Sennheiser IE 800

Vor allem wenn Sie von Ihrem In-Ear-System auch beim Sport eine zufriedenstellende Performance erwarten, kann Stabilität als Kriterium nicht hoch genug bewertet werden. Um diese zu verbessern haben die Hersteller immer wieder findige Ideen parat. Dazu gehören Bügelkonstruktionen die nach hinten über das Ohr verlaufen oder sich – wie beim B&W C5 – nach entsprechender Feinjustierung in die Ohrmuschel schmiegen. Solche Maßnahmen wirken sich bei entsprechender Umsetzung nicht nur positiv auf den Tragekomfort aus. Die von vielen In-Ear-Nutzern beklagten Kabelgeräusche, die schon bei normaler Fortbewegung eine unliebsame Ergänzung zur Lieblingsmusik sein können, werden mindestens deutlich abgeschwächt an das Ohr weitergeleitet, da die direkte Verbindung unterbrochen ist. Auch ein zusätzlicher Clip am Shirt funktioniert nach demselben Prinzip und kann für Ruhe sorgen.

Ob Sie sich für die Standardvariante oder die Luxusausführung entscheiden: Halten Sie Augen und Ohren offen. Je besser der Hörer in ihrem Ohr sitzt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie akustisch von Ihrer Umgebung abgeschnitten sind. Damit Sie im Straßenverkehr keine bösen Überraschungen erleben, sollten Sie sich – auch wenn es schwer fällt 😉 – nicht zu sehr der Musik hingeben. Ähnliches gilt beim Thema Lautstärke. Die Schallwellen werden in einem abgeschlossenen Bereich ohne Umwege auf das naheliegende Trommelfell geleitet. Auf der Habenseite können Sie dadurch eine satte Basswiedergabe verbuchen und sollen diese auch genießen. Bei extremen Lautstärken und damit einhergehenden Schalldruckpegeln die gut und gerne über 100 dB reichen können, laufen Sie aber irgendwann Gefahr ihr Gehör nachhaltig zu schädigen. Ein passgenauer Ohrhörer fühlt sich nicht nur gut an, sondern macht solche Lautstärkeeskapaden aufgrund der guten Abschirmung überflüssig.

Supra- und circum-aural – Die Kopfhörer

Die Alternative zu den kleinen Klangmachern kommt bisweilen groß und sperrig daher und man würde im ersten Moment wohl kaum sein Geld darauf verwetten, dass ihnen eine überdurchschnittliche Lebensdauer in den Rucksäcken oder Handtaschen dieser Welt vergönnt ist. Damit widersprechen On- und Over-Ear-Kopfhörer in vieler Hinsicht genau den Anforderungen, die man vermeintlich an einen mobilen Kopfhörer stellen würde und so waren sie bis vor kurzem folgerichtig auch eher die Ausnahme im Straßenbild. Im Rahmen der Neuentdeckung des Kopfhörers als modisches Accessoire hat in den letzten Jahren eine regelrechte 180° Kehrtwende stattgefunden und dazu geführt, dass man sich als Träger eines Standardmodells aus dem In-Ear-Bereich mitunter sogar ein bisschen „aus der Mode“ vorkommen kann. Neben viel Billigware, die einem Haarreif näher kommt als einem Kopfhörer gibt es aber auch solche Fabrikate, die es ernst meinen und dank des Baukonzeptes ihre ganz eigenen Qualitäten haben.

Zunächst wollen wir ein paar Begriffe sortieren. Die sogenannten On-Ear-Kopfhörer liegen, wie der Name bereits erahnen lässt, auf der Ohrmuschel auf und bedecken diese zumindest teilweise. Hinzukommen die Over-Ear-Modelle, sie schließen die Muscheln vollständig ein. So kann das gesamte Ohr bespielt werden und selbiges seiner natürlichen Filterfunktion besser nachkommen. Außerdem können beide Varianten sowohl „offen“, als auch „geschlossen“ konzipiert sein. Im ersten Fall wird bei Materialauswahl und Design besonderer Wert darauf gelegt, dass Schall nicht nur ins Ohr, sondern auch nach außen dringen kann. Offene Systeme bieten Vorteile hinsichtlich der Transparenz, Impulstreue und Räumlichkeit des empfundenen Klangbildes und punkten durch einen besseren Wärmeaustausch. Wer bereits Erfahrung mit geschlossenen Kopfhörern gemacht hat, lernt dieses Feature gerade bei langen Tragephasen sehr zu schätzen. Leider liegt dann auch die Kehrseite der Medaille auf der Hand: Wo Schall und Luft nach Außen dringen, dringen beide genauso nach innen, sodass im U-Bahn Tunnel immer auch ein Hauch von Musique concrète ihre Ohren umweht.

Hier spielt der geschlossene Kopfhörer, der das Ohr viel besser abschirmt, seinen großen Vorteil aus. Darüber hinaus wird der Bassbereich bei dieser Konstruktionsweise häufig als prominenter wahrgenommen, wenn auch die Offenheit und Natürlichkeit des Klangbildes im direkten Vergleich leidet. Inwiefern das überhaupt ein Nachteil sein muss, entscheidet nicht zuletzt auch der persönliche (Musik-)geschmack. Hier wird ein Klassikliebhaber sicherlich andere Vorstellungen haben, als der Anhänger elektronischer Tanzmusik. Klar muss sich auch jemand zwischen die beiden Stühle setzen, das sind in diesem Fall die „halboffenen“ Kopfhörer. Sie versuchen das Beste aus beiden Welten zu vereinen und das gelingt durchaus erfolgreich und ohne faule Kompromisse, wie etwa der Klassiker DT 880 von Beyerdynamic beweist.

Halboffener Klassiker: Der DT 880 von Beyerdynamic

Halboffener Klassiker: Der DT 880 von Beyerdynamic

Schlechter Sound ist also schon mal kein Argument gegen die „großen Brüder“ und auch in Sachen Transportabilität und Langlebigkeit befindet man sich nicht auf verlorenem Posten. Einerseits kann man natürlich modellunabhängig mit ein wenig Umsicht selbst am Besten dazu beitragen, dass man lange Freude an seinem mobilen Ohrenschmeichler hat. Andererseits laden Modelle wie der M500 von Traditionshersteller KEF mit modernen Materialien, clever platzierten Scharnieren und passender Aufbewahrungstasche regelrecht dazu ein, den Kopfhörer auch für unterwegs in Erwägung zu ziehen.

Was steckt drin? – Die Schallwandler

Fehlt noch ein kleiner Exkurs in die Welt der Technik, denn auch hier gibt es durchaus Unterschiede. Kopfhörer gehören genauso wie Lautsprecher und Mikrofone, die allerdings in umgekehrter Richtung arbeiten, zu der Gruppe der Schallwandler. In der Praxis gibt es eine Reihe unterschiedlicher Ansätze wie der Vorgang der Schallwandlung umgesetzt wird. Wir konzentrieren uns hier maßgeblich auf solche, die bei mobilen Kopfhörern zum Einsatz kommen. Am weitesten verbreitet ist sicherlich das Prinzip der dynamischen Wandlung. Dabei ist an der Membran eine Ring- oder Tauchspule befestigt, die sich in dem schmalen Spalt eines am Rahmen des Kopfhörers befestigten Permanentmagneten vor und zurückbewegt. Die Musikinformationen in Form von elektrischer Spannung führen zu Veränderungen des Magnetfeldes, die Tauschspule bewegt sich und die daraus resultierende Membranschwingung regt schließlich die Luft an. Dieses Prinzip überzeugt durch hohe Wiedergabequalität, mechanische Zuverlässigkeit sowie kostengünstige Umsetzung.

Ähnlich funktionieren sogenannte Balanced-Armature-Wandler oder kurz BA-Wandler, die sich gerade bei In-Ear-Hörern als Alternative zur dynamischen Wandlung anbieten. Die Membran ist hier an einem magnetischen Anker befestigt, der beweglich gelagert ist und zentriert im Magnetfeld eines Permanentmagneten balanciert wird. Bei der Musikwiedergabe führen dann ebenfalls Veränderungen des Magnetfeldes zur Auslenkung der Membran. Die Mitten und Höhen können bei dieser Art von Wandlung sehr detailliert abgebildet werden und es besteht aufgrund der geringen Größe die Möglichkeit getrennte Treiber für verschiedene Frequenzbereiche in einem In-Ear-Hörer unterzubringen. Diese Form der „Arbeitsteilung“ kennt man als bewährtes Prinzip aus der Welt der Lautsprecher. Für eine zufriedenstellende Wiedergabe aller Frequenzbereiche bietet sich die Kombination mehrerer Balanced-Armature-Wandler und eventuell die Ergänzung mit einem dynamischen Treiber an, der speziell auf den Tieftonbereich abgestimmt ist. In unteren Teil des Frequenzspektrums offenbart das BA-Konzept nämlich am ehesten Schwächen.

Ergänzend sei noch die elektrostatische Wandlung erwähnt. Sie bildet einen weit über das menschliche Ohr hinausgehenden Frequenzbereich ab und zeichnet sich durch hohe Impulstreue, hervorragende Auflösung und Räumlichkeit aus. Leider sind elektrostatisch arbeitende Treiber auch mechanisch anfälliger, benötigen eine hohe dauerhafte Betriebsspannung und treiben den Preis nach oben. Für den mobilen Einsatz ist das nichts und soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Fazit

Fassen wir noch einmal zusammen. Natürlich kann man einfach den Kopfhörer seines Smartphone-Headsets benutzen. Natürlich kann man sich einen billigen On-Ear-Kopfhörer kaufen, wenn der Farbton das ausschlaggebende Kriterium ist. Für alle, die einen Kopfhörer primär wegen des „Musiktons“ und des Tragekomforts auswählen, gibt es in allen Bauformen und Preisklassen eine überzeugende Produktvielfalt. Dass diese Maßstäbe absolut mit den Wünschen nach gutem Design und farblichen Akzenten in Einklang zu bringen sind, zeigen neben den bereits vorgestellten Modellen auch ein Sennheiser Momentum oder der Radio Silenz von Tivoli Audio.

Wir beraten Sie gerne umfassend zum Thema und stehen Ihnen telefonisch unter 030 253 753 10, per Email unter eShop@hifi-im-hinterhof.de und selbstverständlich von Angesicht zu Angesicht in der Großbeerenstraße 65/66 in Berlin-Kreuzberg zur Verfügung. Mo – Fr 10:00 – 19:00, Sa 10:00 – 15:00

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Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Ich verwende In Ear Kopfhörer gerne zum Joggen. Nach einer Stunde laufen tun mir aber die Ohren weh. Ich hab schon einige Kopfhörer durch. Seit ich so nen Abruck habe machen lassen, kann ich laufen bis zum umfallen, die Ohren tun mir nicht mehr weh. Das Geld war es mir auf jeden Fall wert und ich würde es jederzeit wieder machen.

  2. Habe schon seit zwei Jahren In Ear Kopfhörer von Sennheiser und bin sehr zufrieden damit 🙂 Sennheiser ist in Sachen Qualität eben nicht zu schlagen…

  3. Fürs Joggen eigenen sich tatsächlich In Ear Kopfhörer am besten. Auch wenn man hierbei beim Kauf unbedingt darauf achten sollte, dass die In Ear Kopfhörer einen guten Halt besitzen. Sonst kann es ganz schnell mal passieren, dass man beim Joggen nur damit beschäftigt ist, die ständig rausfallenden Stöpsel ins Ohr zu stecken. Das Problem hatte ich häufig. Ich persönlich habe mir deswegen In Ear Kopfhörer mit besonderer Halterung gekauft, die man um seine Ohren klemmen kann. Kann ich beim Sport bestens empfehlen. Wenn ich allerdings normal unterwegs bin, greife ich doch lieber zu Over Ear Kopfhörer. Die finde ich wesentlich angenehmer zu tragen und der Klang gefällt mir auch besser. Der Sennheiser Momentum zählt hierbei zu meinem Favorit… LG

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