Kopfhörer im Vergleich

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Wenn Kopfhörer in Preisklassen von 2000 bis 3000 Euro angesetzt sind, kommt schnell die Frage auf, „wofür so viel Geld bezahlen?“ Gibt es wirklich einen derartig großen Unterschied zwischen einem Kopfhörer für 20 Euro und einem für 2000? Ich selbst höre oft und viel Musik. Kopfhörer kommen bei mir meistens im Alltag zum Einsatz, also unterwegs in Bus und S-Bahn. Die Modelle, die ich für diesen Zweck verwende, finden sich in einer sehr niedrigen Preisklasse wieder. Um beurteilen zu können, wo die Unterschiede liegen, habe ich im direkten Vergleich Kopfhörer für den portablen Einsatz mit sehr hochwertigen Kopfhörern verglichen.


Zuerst einmal stellt sich die Frage, in welchen Punkten sich Kopfhörer unterscheiden. Welche technischen Aspekte gibt es, die bei einem Kopfhörer das subjektive Wahrnehmen des Klangs verändern bzw. verbessern können. Vorweg möchte ich noch betonen, dass ich mich für meinen Bericht nur mit Muschelkopfhörern beschäftigt habe.


Üblicherweise und etwas vereinfacht dargestellt, lassen sich Kopfhörer in zwei verschiedene Typen gruppieren: Den halboffenen und den geschlossenen Kopfhörer. Beide haben ihre Vor- sowie Nachteile. Die Bezeichnungen „halboffen“ und „offen“ beziehen sich auf die Transparenz gegenüber der Umwelt. Des Weiteren kann man in umschließend und aufliegend unterteilen. Hier beziehen sich die Bezeichnungen darauf, ob der Kopfhörer das Ohr umschließt oder es an den Seiten frei liegt, also nur auf dem Ohr aufliegt. So kann ein Kopfhörer zum Beispiel halboffen aber umschließend sein, wie das Modell Audez’e LCD-2. Bei einem halboffenen Kopfhörer ist die Hörmuschel nach außen durchlässig, aus diesem Grund sind diese Modelle meist aus durchlässigeren Materialien gefertigt. Das hat zur Folge, dass der Schall nicht nur in Richtung Ohr, sondern zugleich in Richtung Außenwelt abgeleitet wird. Durch diese Bauweise lässt sich für den Hörer eine höhere Transparenz erzielen und der Klang wird räumlicher. Hitzestau und Schwitzen können vermindert werden, was den Tragekomfort erheblich erhöhen kann. Allerdings können so auch Geräusche der Außenwelt leichter an das Ohr Dringen, was u.U. als störend empfunden wird.

Um der Geräuschkulisse der Außenwelt entgegen zu wirken, wurde die aktive Geräuschunterdrückung entwickelt. Diese basiert auf der Antischall-Technik. Mit einem an der Außenseite angebrachten Mikrofon werden Außengeräusche aufgenommen und durch eine beigemischte Schwingung eliminiert. Allerdings findet sich diese Technik nur in den höheren Preisklassen und auch hier ist sie umstritten. Argumentiert wird hier mit dem plausiblen Grund, dass in das Audiosignal eingegriffen wird und es in gewisser Weise verändert wird.

Der geschlossene Kopfhörer ist nach außen abgeschirmt, so wird der Schall nur Richtung Ohr abgestrahlt und die Außenwelt bleibt weitestgehend von Ihrem Musikgeschmack unbeeinträchtigt. Die Dämpfung ist hier auf natürliche Weise um bis zu 500 Hz höher als bei der aktiven Geräuschunterdrückung. Im Bassbereich entsteht durch die höhere Transparenz nach außen mehr Druck. Da die Bauart aufgrund der zu beachtenden Reflexion komplizierter ist, muss allerdings bei gleicher Tonqualität tiefer ins Portemonnaie gegriffen werden. Wärmeentwicklung und Schwitzen entstehen bei diesen Modellen sehr viel leichter. Dies kann bei lang andauerndem Tragen als unangenehm empfunden werden.

Große Unterschiede gibt es darüber hinaus bei den Schallwandler-Prinzipien. Diese sind dazu da, das elektrische Signal in Schallwechseldruck umzuwandeln. Insgesamt spricht man hier von bis zu sechs verschiedenen Varianten. Ich werde vier davon kurz nennen, aber nicht auf die genaue technische Funktionsweise eingehen.

Schallwandler – Prinzipien

Bezeichnung Beschreibung Vorteile Nachteile
Elektrodynamisch – heutzutage am meisten verwendet– Membran besteht aus leichtem Material mit hoher Steifigkeit– hohe Wiedergabequalität – gut für den portablen Einsatzzweck
Isodynamische – großer Wirkungsgrad durch große Magneten des Treibersystems – hoher Wirkungsgrad – Hohes Gewicht
Balanced- Armature – durch eine enorme Belastungsverminderung auf die Membran– oft in In – Ear Ohrhörern oder sogar Hörgeräten verwendet – hoher Wirkungsgrad– geringes Gewicht– sehr kompakt
Elektrostatisch – kurz: umgekehrtes Kondensatormikrophon– wandelt elektrische Signale in entsprechenden Schall um – außerordentlich impulstreu– hohe Auflösung der Rauminformation– sehr natürlicher und klarer Klang – auf Grund der hohen Komplexität in der Bauweise sehr teuer und daher eher selten

Oft hört man, dass Kopfhörer gesundheitsschädlich seien, da sie Hörschäden hervorrufen können. Wer die Hoffnung hat, dass sich diese Gefahr bei Geräten der gehobeneren Preisklassen verringert ist, wird enttäuscht. Hörschäden entstehen nicht aufgrund schlechten Klanges oder unangenehmer Passformen, sie sind Folge von zu hoch eingestellten Hörlautstärken. Somit ist jeder selbst verantwortlich für die Gesundheit seines Gehörs; in diesem Punkt hat man es also selbst in der Hand!

Nun komme ich zu meiner subjektiven Einschätzung. Eines vorab: Mir ist bewusst, dass jeder Mensch eine andere, subjektive Wahrnehmung hat. Ihre Erfahrungen können also durchaus anders ausfallen als meine und umgekehrt. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle also nur meinen persönlichen Erfahrungsbericht mitteilen.

Ich habe mich durch drei Preisklassen gehört und für mich durchaus Unterschiede bemerkt.

Dabei handelte es sich um teurere Modelle wie den Audez’e LCD-2 oder den HiFiMAN HE-6, die ungefähr in einer Preisklasse liegen, sowie preisgünstigere Modelle wie den B&W P5 oder den Sennheiser Momentum On-Ear, die sich ebenfalls in einer Preisklasse bewegen, bis hin zum Koss Porta Pro der in meinem Test die preislich günstigste Variante ist.

Die Kopfhörer im preislichen Überblick

Preis Kopfhörer
> 50€ Koss Porta Pro
~ 200 – 300€ B&W P5 Sennheiser Momentum On-Ear
~ 900 – 1100€ Audez’e LCD-2 HIFIMAN HE-6

Bei der von mir gehörten Musik handelte es sich einerseits um Rap von dem Künstler Casper, da ich die Kopfhörer auch mit Musik testen wollte die ich persönlich öfter höre. Des weiteren waren es Mitschnitte von Live-Auftritten verschiedener Jazz-Musiker und ältere Rock-Stücke von mir unbekannten Künstlern.

Zuerst gehe ich auf das Design ein, da es für mich durchaus eine Rolle spielt. Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass mir das Design in den höheren Preisklassen eher zugesagt hat und ich das Gefühl hatte, dass auch am Design nicht mit Innovationen gegeizt wurde und / oder ein sehr edler Eindruck vermittelt wurde. In der mittleren Preisklasse gab es auch Modelle wie den Sennheiser Momentum, die ein wenig herausstachen, doch erschienen mir die Design-Konzepte in dieser Preisklasse alle sehr ähnlich oder aneinander angepasst. Tragekomfort war bei allen Modellen gegeben, allerdings musste ich feststellen, dass die von mir getesteten teuren Modelle wie der Hifiman HE 6 oder der Audez’e LCD-2 nicht für den portablen Einsatz geeignet sind, da sie aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts meiner Meinung nach unpraktisch für den Alltag sind. Hinzu kommt, dass ich persönlich nicht 1000 bis 2000 Euro in Form eines Kopfhörers mit mir herumtragen möchte.

Schlussendlich möchte ich zum wohl ausschlaggebendsten Punkt kommen, dem Klang.

In meinem Alltag benutze ich meistens In-Ear Ohrhörer, da es mir vor allem auf Lautstärke ankommt und der Klang hinten angestellt wird. Bei diesem Test allerdings habe ich vor allem auf die Klangqualität geachtet. Eingestiegen bin ich mit dem Audez’e LCD-2.

Ich war unmittelbar beeindruckt von dem klaren Klang, in dem jedes Instrument deutlich zu erkennen und zu hören war. Auch bei höherer Lautstärke empfand ich die klangliche Abbildung als angenehm und würde ihn als warm bzw. weich beschreiben. Schon hier ließ sich eine tolle Räumlichkeit erkennen, die einem die Musik bzw. den Musiker näher brachte. Man konnte sich zurück lehnen, und das Gefühl einer musikalischen Massage deutete sich an. Besonders beeindruckt fand ich mich in einem live aufgenommenem Jazz-Stück wieder, als ich zu Beginn das Gefühl bekam, jemand hätte den Raum betreten, aufgrund der enorm realistischen Räumlichkeit. Als ich mich schließlich von dem Kopfhörer trennen konnte und ihn vom Kopf nahm, merkte ich, wie deutlich die Schallwellen auch nach außen abstrahlen.

Auch die Hörer der mittleren Preisklasse gefielen mir gut, doch man merkte, wie der Klang an Realismus und Nähe verlor. Allerdings würde ich vermuten, dass, sobald der direkte Vergleich zu der höheren Preisklasse nicht mehr gegeben ist, der Klang gleichermaßen beeindruckt. Die Bässe waren immer noch erstaunlich gut und der Wirkungsgrad war höher, was allerdings dazu führte, dass etwas Räumlichkeit verloren ging.

In der untersten Preisklasse zeigte sich, dass der Klang immer noch relativ gut war für einen Kopfhörer, der hauptsächlich für den portablen Einsatz gedacht ist. Die Qualität war nicht mehr vergleichbar mit der oberen Preisklasse. Während vorher der Klang bei den meisten Lautstärken sehr angenehm wirkte, kam in mir das Gefühl auf, dass versucht wurde, unsauberen Klang mit höherem Wirkungsgrad zu kompensieren. Die Unterschiede waren für das Ohr im direkten Vergleich erstaunlich leicht zu erkennen. Mein Gesamtgefühl beim Hören veränderte sich deutlich. Ich hatte das Gefühl die Musik mehr war zunehmen als sie zu genießen. Ich denke, bei ein Musikstück, das einem sehr gut gefällt reicht es für unterwegs aus, aber wenn ich für mich und in Ruhe Musik höre, dann habe ich das Bedürfnis, sie zu genießen und dadurch das Gefühl zu erhalten, der Aussage des Künstlers näher zu kommen, wenn ich in das Stück eintauchen oder versinken kann.

Mein Fazit ist: Ich bin mehr als positiv überrascht, welche enormen Klangqualitäten Kopfhörer bieten können und dass mich die Komplexität der verbauten Technik erstaunt. Nach meinem Test muss ich für mich feststellen, dass Kopfhörer die eventuell 1000 bis 2000 Euro kosten, zwar erst einmal als teuer erscheinen, aber meiner Meinung nach preiswert sind, im wörtlichen Sinne. Sie bieten im Gegensatz zu Lautsprechern eine etwas andere, aber auch sehr komfortable Art, Musik zu erleben und zu genießen. In meinen Augen sind die höherpreisigen Modelle ausschließlich etwas für den Heimgebrauch, da sie meinem Empfinden zufolge für den Alltagsgebrauch zu unhandlich und zu groß sind und ich das Risiko des Verlustes oder der Beschädigung eines so wertvollen Gegenstandes als zu hoch einstufe. Da ich Kopfhörer nur im Alltag verwende, würde ich für diesen Verwendungszweck zu der mittleren Preisklasse tendieren. Viele Modelle sind durchaus zum portablen Einsatz geeignet und bieten einen verhältnismäßig guten bis sehr guten Klang.

Es empfiehlt sich stets, sich selbst einen (Hör-)Eindruck zu verschaffen. Wie bereits oft hier im Blog und anderswo erwähnt, sind die meisten Eindrücke von Mensch zu Mensch subjektiv und unterschiedlich; trotzdem würde es mich nicht überraschen, wenn Sie ebenso fasziniert sind von dem Klang der Kopfhörer, wie ich es war.

Raoul Decker

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