Interview mit Rainer Fink von Marantz zu SA-10 und PM-10

Im Rahmen unseres Workshops zur neuen Marantz 10er Serie hatten wir die Gelegenheit mit Senior Acoustic Engineer Rainer Fink über seinen Werdegang, verschiedene Bereiche der HiFi-Technik und natürlich die neuen Modelle SA-10 und PM-10 zu sprechen.

HaF: Hallo Rainer. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast! Bevor wir zu eurem neuesten Meisterwerk kommen, erzähl uns doch vielleicht ein bisschen was zu deinem bisherigen Werdegang.

RF: Gerne. Nach meinem Studium habe ich 1985 bei Philips noch in der Radioabteilung begonnen, allerdings war zu diesem Zeitpunkt natürlich die CD bereits dabei ihren Siegeszug anzutreten und so bin ich dann relativ schnell in diesen Bereich involviert gewesen. Das war zum damaligen Zeitpunkt eine sehr dynamische Angelegenheit, da die D/A-Wandler Technik noch in den Kinderschuhen steckte. Die verschiedenen Hersteller haben mit ganz unterschiedlichen Wandlertypen experimentiert und ihre veränderten Konzepte dann natürlich auch immer wieder dem Fachpublikum und der Fachpresse präsentiert.

Letztendlich haben sich im Großen und Ganzen solche Verfahren durchgesetzt, die das Signal vor dem eigentlichen Wandlungsprozess zunächst auf eine niedrige Bittiefe umrechnen. Bei Philips haben wir uns relativ schnell auf ein 1 Bit Wandlungsverfahren mit entsprechend hohem Over-Sampling verlegt. Dabei stellt sich natürlich die Frage nach der Jitter-Problematik umso dringender, jedoch hat man es nur mit zwei Abtastzuständen zu tun. Diese Lösung hat uns letztendlich klanglich und hinsichtlich der technischen Praktikabilität überzeugt.

Nachdem ich also fünf Jahre in die Wandler-Entwicklung involviert gewesen bin, wurde es einfach Zeit für etwas Neues. So bin ich schließlich in den Bereich Produktmanagement/Marketing wechselt, habe also quasi an der Schnittstelle von Entwicklung und Vertrieb gearbeitet und unter anderem auch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gemacht, Messen vorbereitet, Außendienstschulungen durchgeführt und an Händlerveranstaltungen teilgenommen. Im Laufe der Zeit habe ich dann eine ganze Reihe von weiteren Projekten übernommen und gemanagt und bin dann vor etwa drei Jahren in die Entwicklung des SA-10 eingestiegen.

HaF: Du bringst das Stichwort. Erzähl uns etwas mehr über den Entwicklungsprozess der 10er Serie im Allgemeinen. Du hast auch eng mit Ken Ishiwata zusammengearbeitet, oder?

RF: Die Entwicklung von SA-10 und PM-10 fand in sehr enger Abstimmung mit dem Marantz Team in Japan statt. Dort befinden sich ja auch die Produktionsstätten und ich selbst bin in den letzten zwei Jahren fünf Mal dort gewesen und die Kollegen sind natürlich auch umgekehrt zu uns nach Europa gekommen, wo wir an der Schaltungskonzeption gearbeitet haben, verschiedene Varianten ausprobiert und gehört haben etc.

Natürlich war auch Ken Ishiwata, der einigen vielleicht als „Markenbotschafter“ von Marantz ein Begriff ist, intensiv in das Projekt involviert. Ken hat einfach extrem viel Erfahrung und das hilft bei der Entwicklung ungemein: In den regelmäßigen Hörtests ist es eine Sache noch vorhandene Schwächen auszumachen, dann aber den richtigen Ansatzpunkt für Verbesserungen zu finden, ist eine ganz andere Herausforderung. Ken ist darin sehr gut, denn er kennt sich sowohl mit den mechanischen Komponenten als auch im Bereich Elektronik hervorragend aus – welche Bauteile bringen welche Charakteristiken mit sich etc. Es ist natürlich enorm hilfreich so jemanden mit an Bord zu haben.

HaF: Wo du gerade von Bauteilen und Elektronik sprichst – was haben SA-10 und PM-10 technisch zu bieten?

RF: Ich war wie gesagt vor allem an der Entwicklung des SA-10 beteiligt und hier insbesondere wieder im Bereich der Digital- bzw. Wandlertechnik und der dazugehörigen Software. Das war ein extrem anspruchsvolles und spannendes Projekt. Die grundlegenden Parameter und die Programmierung standen vergleichsweise schnell, aber die Auswahl der Hardware und die Optimierung des Klangs hat dann doch ein ganzes Jahr länger gedauert als ursprünglich geplant. Es gibt natürlich immer mehrere Wege ans Ziel zu kommen und wir haben uns letztendlich die Zeit genommen das aus unserer Sicht optimale Ergebnis zu erzielen.

Wir arbeiten mit zwei separaten Taktgebern für 44.1 kHz und Vielfache (88,2 kHz, 176,4 kHz etc.) sowie 48 kHz und Vielfache (96 kHz, 192 kHz etc.) und auch die Kombination aus 1 Bit-Konvertierung und Over-Sampling, die ich oben schon erwähnt hatte, kommt in einer aktuellen Variante zum Einsatz.

Beim PM-10 haben wir uns für einen ziemlich rigorosen Neuanfang entschieden, denn wir setzen nun erstmals Schaltverstärker ein. Eher zufällig ergab sich auf einer Messe der Kontakt zu zwei alten Kollegen von Philips, die ein sehr interessantes Konzept entwickelt hatten, das herkömmlichen Schaltverstärkern in vielen Punkten überlegen ist. Letztlich war die Lösung technisch und klanglich so überzeugend, dass wir diesen Schritt gewagt haben. Abgesehen davon ist die Idee hinter der Schaltung des PM-10 bemerkenswert: Wir haben hier im Grunde versucht das Konzept „Vorstufe + zwei Monoblöcke“ umzusetzen, dann allerdings alle drei Elemente in einem Gehäuse unterzubringen.

HaF: Okay, das musst du etwas genauer erklären …

RF: Wir haben über die Jahre eigentlich immer wieder eine Art hausinterne Referenzanlage auserkoren, die wir zur Beurteilung aktueller Entwicklungen herangezogen haben. Das war zuletzt das System, das wir zum 50. Jubiläum von Marantz herausgebracht haben – eine Kombination aus einem SA-7 SACD-Player, dem Vorverstärker SC-7 sowie zwei SA-9 Monoblöcken. Leider mussten wir diese Geräte wegen neuer Regularien für bestimmte Bauteile irgendwann einstellen und so kam der Gedanke auf, dass es an der Zeit wäre auf dem aktuellen technologischen Stand das Maximum auszuloten.

Hinsichtlich der Nachfolge des SA-7 hatten wir bereits genügend „Futter“ für ein solches Projekt in der Hinterhand und bei der Konzeption des PM-10 stand dann also die Kombination aus SC-7 und den beiden SA-9 Pate. Wichtig zu erwähnen ist dabei, dass diese Komponenten damals komplett symmetrisch aufgebaut waren. Unsymmetrische Signale wurden im SC-7 umgehend symmetriert und der SA-9 Monoblock kann man im Grunde als eine Stereoendstufe im Brückenmodus begreifen.
Inzwischen ist es möglich all das so kompakt zu entwickeln, dass wir nur noch ein einziges Gehäuse benötigen. Die Vorstufe und beide Endstufen verfügen jeweils über ein eigenes Netzteil und der symmetrische Aufbau wurde vollständig beibehalten, d.h. in der Endstufensektion des PM-10 befinden sich insgesamt vier Verstärkermodule. Ein großer Vorteil dieser Lösung ist, dass die Kabelwege zwischen den einzelnen Elementen wegfallen und hier mögliche Signalverluste von vornherein ausgeschlossen sind. Um auf der anderen Seite die gegenseitige Beeinflussung der einzelnen Bereiche zu minimieren, haben wir das Gehäuse innen vollständig mit Kupfer ausgekleidet. Letztendlich sind wir mit diesem Ergebnis äußerst zufrieden und sehr stolz auf beide Geräte.

HaF: Bleiben wir noch einen Moment bei der Technik. Ihr verwendet ja seit Jahren die sogenannten HDAM Module und hierbei gibt es offenbar zwei verschiedene Einsatzgebiete und inzwischen mehrere Generationen. Was hat es damit auf sich?

RF: Wir verwenden die HDAM Module in verschiedenen Ausführungen bereits seit den 90er Jahren. Damals wurden etwa in den analogen Ausgangsstufen von CD-Playern mit ihren Filtersektionen in der Regel sogenannte Operationsverstärker eingesetzt. Allerdings war die Auswahl hier relativ begrenzt und klanglich gab es da durchaus Luft nach oben. So haben wir das erste HDAM Modul entwickelt, das im Class A Betrieb lief und hinsichtlich der technischen Parameter den erhältlichen Operationsverstärkern überlegen war.

Abgesehen von der tatsächlichen Verstärkung eines Signals nutzen wir die HDAM Module darüber hinaus auch als Pufferstufen (HDAM SA Module). Hier geht es nicht darum ein Signal im eigentlichen Sinn zu verstärken, sondern lediglich darum Strom zu liefern und das Signal aufzubereiten, das Eingangs- entspricht also im Grunde dem Ausgangssignal. Die verschiedenen Generationen wiederum sind nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass bestimmte Elemente zum Beispiel wegen umweltrechtlicher Bestimmungen nicht mehr zur Verfügung standen und wir dementsprechend Ersatz finden mussten.

Übrigens verwenden wir die HDAM SA Module auch in den Endstufensektionen unserer Verstärker, seit wir auf das Stromgegenkopplungsdesign umgestellt haben – das gilt ebenfalls für den Marantz PM-10, der mit der aktuellsten Version HDAM SA3 ausgestattet ist.

HaF: Rainer, wir danken dir ganz herzlich für deine ausführlichen Erläuterungen und wünschen dir ein angenehmes Workshop-Wochenende in Berlin!

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