Hör-Experiment: Vinyl, CD oder mp3? – Der Musikexpress zu Gast bei HiFi im Hinterhof

Vor einigen Monaten bekamen wir die Anfrage, ob wir der Musikzeitschrift Musikexpress Technik und Räumlichkeiten für ein Experiment zur Verfügung stellen könnten: Drei Testkandidaten sollten drei unterschiedliche Musikstücke nacheinander jeweils auf Schallplatte, CD sowie als mp3-Version hören und ausschließlich aufgrund des Höreindrucks herausfinden in welcher Reihenfolge die verschiedenen Formate abgespielt wurden. In der aktuellen Ausgabe des Magazins ist nun der Artikel zum Experiment zu lesen, aber auch wir haben natürlich einige Eindrücke in Wort und Bild festgehalten.

Der Musikexpress zu Gast bei HiFi im Hinterhof

Das Setting

Als Schauplatz für den Hörversuch hatten wir unsere HiFi-Galerie auserkoren und dort eine hochwertige Versuchsanlage aufgebaut. Unser Ziel war es in technischer Hinsicht dafür zu sorgen, dass die jeweiligen Feinheiten der unterschiedlichen Abspielmedien auch tatsächlich aufgedeckt und dargestellt werden können. Wir entschieden uns die CD-Wiedergabe einem Musical Fidelity M3CD anzuvertrauen und für die Abtastung der Schallplatten wählten wir eine Kombination aus Pro-Ject Xtension 9 und Pro-Ject Phono-Box RS. Die sachgemäße Zuspielung der mp3-Dateien übernahm ein Player der Firma TrekStor, den das Musikexpress-Team bereits vorab befüllt und mitgebracht hatte. Alle Quellsignale liefen in dem hier erst kürzlich etwas näher vorgestelltem Mark Levinson No. 585 zusammen, der diese wiederum für ein Paar KEF Blade 2 Lautsprecher aufbereitete. Leider blieb es den Testkandidaten die meiste Zeit verwährt unsere durchaus vorzeigbare Vorführanlage auch optisch zu genießen, sie mussten auf unserer Couch in ungewohnter Ausrichtung Platz nehmen.

Wie man auf den Bildern unschwer erkennen kann, wurde unserer Versuchsaufbau trotz gedrehter Couch natürlich nicht den aller strengsten Anforderungen an ein wissenschaftliches Experiment gerecht. Theoretisch wäre es bestimmt möglich gewesen durch ganz genaues Hinsehen oder –hören (auf die Technik, nicht auf die Musik) das gerade spielende Quellgerät zu erahnen. Die intensiven Diskussionen im Anschluss an jede gespielte Version zeigten jedoch deutlich, dass die drei Testkandidaten dies entweder nicht getan haben oder es ihnen zumindest nicht geholfen hat.

Quellgerät für die mp3-Zuspielung: Ein TrekStor Player

Der CD-Spieler: Ein Musical Fidelity M3CD

Die Vinyl-Kombi: Pro-Ject Xtension 9 und links die Pro-Ject Phono-Box RS

Unsere Vorführanlage für das Experiment im Überblick

Die Songs

Wie bereits eingangs erwähnt spielten wir insgesamt drei Titel, wobei immer erst alle drei Versionen eines Songs wiedergegeben und diskutiert wurden, bevor wir zum nächsten Stück übergingen. Das Material wurde von unseren Gästen ausgewählt und mitgebracht, es handelte sich um die Titel „Not Real“ von Stealing Sheep, „Hitchhike“ von Chuckamuck sowie „Sintra“ von Flume. Sicherlich lässt sich darüber diskutieren, inwiefern die Musikauswahl Einfluss auf die Schwierigkeit und somit den Ausgang eines solchen Versuchs hat und welchen Kriterien diese bestenfalls entsprechen sollte. Im konkreten Fall war das Material jedenfalls vorgegeben. Wir standen weder beratend zur Seite noch können wir beurteilen, welche Überlegungen bei der Zusammenstellung eine Rolle gespielt haben.

Das Test-Material des Musikexpress-Hörversuchs

Erkenntnisse

Generell lässt sich festhalten, dass unter den drei Kandidaten selten wirklich Einigkeit im Hinblick auf die Reihenfolge der gespielten Formate herrschte und auch die Einzelmeinungen während der Diskussion immer wieder schwankten. Eine Erkenntnis des Versuchs ist also auf jeden Fall, wie schwierig es ist, vermeintlich oder tatsächlich wahrgenommene Unterschiede auch qualitativ einzuordnen und letztendlich einem bestimmten Format zuzuordnen. Die mp3-Versionen wurden tendenziell noch am Ehesten als solche entlarvt, aber selbst dieses Format kam im Verlauf der Besprechungsphasen bisweilen sogar als die am Besten klingende Variante in Frage.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass die gängigen Stereotype hinsichtlich der Klangeigenschaften einzelner Medien als Leitfaden bei der Einordnung die entscheidende Rolle spielten. Vinyl wurde mit Attributen wie Wärme, Fülle und einem Quäntchen mehr Qualität insbesondere im Tieftonbereich in Verbindung gebracht. Sobald sich diese Eigenschaften in einer der abgespielten Versionen ausmachen ließen, lag die Vermutung nicht fern, dass sich hier gerade der Plattenteller drehen müsse. Das mp3-Format bemühten die Testkandidaten in der Regel dann, wenn im Klangbild vermeintlich etwas fehlte oder der Sound insgesamt als minderwertig, etwa als „blechern“, empfunden wurde. Die Annahme, es handle sich um die CD-Variante, wurde tendenziell dann geäußert, wenn spontan keine klare Richtung auszumachen war – die goldene Mitte sozusagen. Diese Rechnung ging in der Praxis, insbesondere bei der Unterscheidung von Vinyl und CD, nicht immer auf.

Insgesamt bildeten sich hier also relativ eindeutig die typischen Meinungen der letzten Jahr ab. Während im Zuge des anhaltenden Vinyl-Trends dieses Medium von einer enthusiastischen Lobby vertreten wurde und ein gewisser Argwohn gegenüber der mp3-Datei bestehen bleibt, wird über die CD vergleichsweise wenig geredet, wenn nicht gerade einmal mehr ihr Ende postuliert wird.

Die Versuchsteilnehmer und der Fotograf vom Musikexpress-Team

Schlussgedanken

Aufgrund der offensichtlichen Schwierigkeiten bei der Identifikation der einzelnen Formate, die eindeutig für die grundsätzliche Qualität aller drei Technologien spricht, bleibt eigentlich nur die Option ein versöhnliches Fazit zu ziehen: Im Gegensatz zu ihren frühen Vorfahren, handelt es sich bei aktuelle Vinylpressungen und -systemen um eine hervorragende Möglichkeit hochwertig Musik wiederzugeben. Ganz ähnlich verhält es sich mit der CD, deren Qualitätsniveau auch in Zeiten digitaler High-Resolution Formate den digitalen „Standard“ definiert. Das komprimierte mp3-Format ist vielleicht nicht die erste bzw. einzige Wahl für jede Lebenslage, trotzdem ist es qualitativ, insbesondere bei hohen Bitraten, offenbar gut genug, um reichlich Verwirrung bei der Identifikation auf Basis des bloßen Höreindrucks zu stiften und bietet nach wie vor relevante Vorteile hinsichtlich der Praktikabilität (Speicherplatz, Up- und Downloadraten etc.).

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,
    fand diesen Vergleich sehr interessant. Mich würde zu dem Testaufbau folgendes interssieren. Was sind das für Basen unter den Geräten?

    Und hattet ihr auch mal den Wandler des ML No. 585 gehört?

    Gruß Herbert

  2. Hallo Herbert,

    meinst du die beiden Blöcke unter der Bank mit den anderen Komponenten? Dabei handelt es sich um zwei Musical Fidelity M8-700M Mono-Endstufen. Und die Wandler des Mark Levinson No. 585 machen einen ausgezeichneten Job.

    Viele Grüße
    Florian

  3. Hallo Florian,

    danke für die neue Info. Waren die MuFi’s aktiv an den Blades oder lief nur die ML 585? Und ich denke das die Basen auf dem oberen Ebene, wo die Quellgeräte draufstehen zum Rack gehören (meinte die Schwarze Platte) Und wenn ja, was ist das für ein Tonmöbel?

    Gruß Herbert

  4. Hallo Herbert,

    ich war mir nicht sicher, was du mit Basen meinst. 😉 Es handelt sich um Steinplatten und das ganze Rack ist eine Sonderanfertigung. Gibt es also so leider nicht bei uns zu kaufen.

    Viele Grüße
    Florian

    PS: Es lief nur der ML 585.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.