High-Resolution Streaming-Clients: Auralic Aries Mini und Bluesound Node 2

Dank schnellerer Übertragungsraten, besserer Kodierungsverfahren und höherer Speicherkapazitäten hat sich das Streaming digitaler Musikformate in den letzten Jahren als ernstzunehmende Alternative zu den traditionellen Wiedergabemedien entwickelt und inzwischen existieren im HiFi-Bereich eine ganze Reihe entsprechender Lösungen. Dazu gehören unter anderem sogenannte Streaming-Clients, die zum Beispiel als Brücke zwischen einer bereits vorhandene Anlage und der digitalen Welt dienen. Wir stellen zwei Geräte dieser Kategorie – Auralic Aries Mini und Bluesound Node 2 – mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten vor.

Auralic Aries Mini und Bluesound Node 2 in unserer Vorführung

Auralic Aries Mini

Allgemeines & Hardware

Wir beginnen mit dem Aries Mini des chinesischen Herstellers Auralic und wollen zunächst ein paar Worte zum Hersteller selbst verlieren. Das in Hongkong ansässige Unternehmen, dessen Gründung übrigens nach einem zufälligen Zusammentreffen der beiden Musik-Enthusiasten Xuanqian Wang und Yuan Wang hier in Berlin in Angriff genommen wurde, entstand im Jahr 2008 und konnte sich mittels hochwertig konstruierter HiFi-Komponenten schnell einen ausgezeichneten Ruf erarbeiten. Obwohl es sich bei dem erst kürzlich erschienenen Aries Mini um das kleinste Modell des gesamten Portfolios handelt, macht die namentliche Referenz an den vollkommen zu Recht hoch gelobten Auralic Aries unmissverständlich klar, dass trotz der offensichtlichen Unterschiede zwischen beiden Geräten ein ähnlich hohes Niveau erwartet werden darf.

Im direkten Vergleich fällt natürlich zunächst das wesentlich schlichter gestaltete und mit 13,5 x 2,8, 13,5 cm sehr kompakte Gehäuse auf, das eher an Apples Desktop-Computer Mac Mini denn den großen Bruder aus dem Hause Auralic erinnert. Zudem müssen drei Taster an der Gerätefront als Ergänzung zu der ohnehin quasi unentbehrlichen App genügen – auf eine zusätzliche Fernbedienung wie beim großen Aries wurde verzichtet. Gleiches gilt im Übrigen für das spezielle Netzteil sowie das frontseitige Display.

Auralic Aries Mini und der große Bruder Auralic Aries

Das eingravierte Logo des Auralic Aries Mini

Der Minimalismus des Aries Mini hat allerdings Grenzen und so offenbart ein Blick auf die Rückseite vielfältige Anschlussmöglichkeiten: Neben der Ethernet-Buchse, zwei USB-Anschlüssen (1x Input, 1x Output, z. B. für externe DACs) sowie jeweils einer digitalen TOSLINK- und Coaxial-Schnittstelle findet sich hier auch ein analoger Stereoausgang im Cinch-Format. Dieser ersetzt die eher exotische AES-Schnittstelle des großes Aries und ist obendrein ein sicherer Indikator dafür, dass dem Aries Mini ein D/A-Wandler – Modell SABRE ES9018K2M – spendiert wurde. Diese Entscheidung der Entwickler ist gleich aus zwei Gründen zu begrüßen: Einerseits lassen sich Signale so problemlos auch an Komponenten ohne Digitaleingänge weiterleiten, andererseits wäre sogar der direkte Anschluss von zwei Aktivlautsprechern an den Aries Mini ein denkbares Nutzungsszenario. Ein W-LAN Modul befindet sich natürlich ebenfalls an Bord, des Weiteren bietet – man mag es kaum glauben – das schmale Gehäuse auch noch einer 2,5-Zoll-Festplatte im HDD- oder SSD-Format Platz, sodass der Mini bei Bedarf vom reinen Mittler zum Musikserver mit integriertem Massenspeicher wird.

Das Anschlussfeld des Auralic Aries Mini

Software

Mindestens genauso wichtig wie die Hardware ist bei einem Gerät wie dem Aries Mini die Software. Das von Auralic konzipierte System nennt sich Lightning DS und unterstützt neben den fast schon obligatorischen Standards UPnP bzw. DLNA auch Apples proprietäres AirPlay Protokoll sowie die offene und beispielsweise auch vom Hersteller Linn genutzte OpenHome Struktur. Letztere dient etwa beim Anschluss einer USB-Festplatte oder beim Zugriff auf im Netzwerk freigegebene Ordner als Kommunikationsgrundlage, sobald diese mittels der Lightning DS App als sogenannte Lightning Server konfiguriert wurden. Dadurch stehen gewisse Annehmlichkeiten beim Handling der entsprechenden Musikbibliotheken, zum Beispiel in Form von „gapless playback“ oder zusätzlichen Sortieroptionen wie Abtastrate oder Dateiformat, zur Verfügung. Die Liste der unterstützten Dateitypen ist lang und umfasst AAC, AIFF, ALAC, APE, DIFF, DSF, FLAC, MP3, OGG, WAV, WV and WMA. Verlustfreie PCM-Formate werden bis maximal 384 kHz / 32 Bit und DSD-Daten bis DSD256 verarbeitet.

Auralics Lightning DS App für das iPad

Wir kommen nun zu der Lightning DS App, die als Steuerzentrale des Aries Mini fungiert. Diesbezüglich gibt es zunächst eine schlechte Nachricht zu vermelden – sie ist nämlich nur für iOS und darüber hinaus ausschließlich (!) für das iPad verfügbar. Das ist vor allem deshalb schade, weil sie gleichermaßen übersichtlich und komfortabel gestaltet ist, stabil läuft und sicherlich auch bei Nutzern anderer Endgeräte und Plattformen schnell Freunde finden würde. Ist man im Besitz eines Apple Tablets, funktioniert das Browsen durch die Medienbibliothek jedenfalls absolut vorbildlich. Wird die eigene Musiksammlung einmal langweilig, besteht weiterhin die Option aus der Lightning DS App heraus auf eine Vielzahl von Internetradios zuzugreifen. Auch einige Online-Streaming Anbieter wurden direkt implementiert, allerdings fällt die Auswahl mit Tidal und Qobuz überschaubar aus. In diesem Punkt – soviel sei an dieser Stelle bereits verraten – hat der Bluesound Node 2 einiges mehr zu bieten, allerdings wollen wir auch hier zunächst einen allgemeinen Überblick geben.

Bluesound Node 2

Allgemeines & Hardware

Das junge US-amerikanische Unternehmen Bluesound, übrigens eine Kooperation der renommierten HiFi-Spezialisten von NAD Electronics und PSB Speakers, trat erstmals 2014 in Erscheinung und positionierte sich mit seinem umfassenden Multiroom-System in direkter Konkurrenz zum Platzhirsch Sonos. Dabei setzte Bluesound von Anfang an konsequent auf Klangqualität sowie die Unterstützung hochauflösender Formate und konnte sich so erfolgreich am Markt behaupten. Mit dem Erscheinen der zweiten Generation des hauseigenen „Ökosystems“, zu der auch der hier vorgestellte Node 2 gehört, hat sich an der zugrundeliegenden Philosophie wenig geändert, allerdings wurde das durchaus streitbare Äußere von Node, Powernode und Co. zugunsten eines eher klassischen Designs aufgegeben.

Der Bluesound Node 2 und sein Vorgänger

Das ursprüngliche Gehäuse, als quasi horizontal um 45° gedrehter Würfel konzipiert und überwiegend aus einem etwas kratzeranfälligen Kunststoff hergestellt, wurde beim Node 2 durch eine flache, rechteckige Form ersetzt, die insgesamt etwas üppiger ausfällt als der Aries Mini (220 x 46 x 146 cm). Die Oberfläche ist nun matt und besteht weitestgehend aus angenehm griffigen Gummi, ein feines Gitter um das auf der Oberseite platzierte, berührungsempfindliche Bedienfeld erlaubt einen Blick in das innere des Node 2. Der zentrale Touch-Button funktioniert zusätzlich als Statusleuchte und weist je nach Farbgebung auf den aktuellen Betriebszustand hin. An der Front befindet sich zudem ein Kopfhörereingang.

Das Bedienfeld des Bluesound Node 2 in der Nahaufnahme

Alle weiteren Ein- bzw. Ausgänge befinden sich auf der Rückseite. Die Ausstattung ist ähnlich umfangreich wie beim Aries Mini, allerdings wurden die Prioritäten anders gesetzt. Während der Stereoausgang im Cinch-Format bei beiden Geräten zu finden ist, verfügt der Node 2 zusätzlich über einen dezidierten Subwoofer-Output. Die digitalen Ausgänge sind wiederum identisch, den analog/digitalen Kombi-Eingang des Node 2 sucht man beim Aries Mini hingegen vergeblich. Dafür bietet der Bluesound-Client keinen USB-Ausgang – die Mini-USB-Buchse ist ausschließlich Servicezwecken vorbehalten. Eine Netzwerkverbindung lässt sowohl via Ethernetkabel als auch über W-LAN herstellen, außerdem wurde ein Bluetooth-Modul integriert, das den klanglich besseren aptX-Codec unterstützt. Des Weiteren seien der Trigger Out sowie der Infrarot In erwähnt, die eine Fernsteuerung des Node 2 im Verbund mit weiteren Geräten ermöglichen. Der Einbau einer Festplatte ist in diesem Fall nicht möglich – hier lohnt es sich gegebenenfalls einen Blick auf den Bluesound Vault 2 zu werfen.

Die Anschlüsse des Bluesound Node 2

Software

Auch die US-Amerikaner haben für ihre Produkte ein eigenes Betriebssystem entwickelt, das auf den Namen BlueOS hört und das reibungslose Zusammenwirken aller beteiligten Komponenten gewährleistet. Anders als beim Aries Mini ist die Zahl der unterstützten Netzwerkprotokolle jedoch begrenzt. Der Weg über die herkömmliche Netzwerkfreigabe ist beim Node 2 der einzig gangbare Weg, UPnP, DLNA oder Apple AirPlay werden nicht unterstützt. Dafür verarbeitet das System eine ähnliche Formatvielfalt wie Auralics Lightning DS (MP3, AAC, WMA, OGG, WMA-L, FLAC, ALAC, WAV und AIFF). DSD-kodierte Dateien bleiben derzeit außen vor, die maximale Auflösung liegt bei 192 kHz / 24 Bit.

Der Hauptbildschirm der Bluesound App

Erfreulicherweise ist die Bluesound App für eine ganze Reihe verschiedener Betriebssysteme verfügbar. Neben iOS und Android wird auch Android-basierte Fire OS von Amazon unterstützt, zudem existieren Desktop-Versionen der Software für Windows und MacOS. Die Bedienung ist ebenfalls gut, bleibt im direkten Vergleich allerdings etwas hinter der Lightning DS App zurück. Bemerkenswert ist vor allem die große Bandbreite implementierter Musik-Dienste. Mit den Streaming-Anbietern Deezer, JUKE, Murfie, Napster, Qobuz, Rhapsody, Spotify und Tidal sowie den Radio-Diensten iHeartRadio, Slacker Radio und TuneIn sollten in dieser Hinsicht keine Wünsche offen bleiben.

Schlussgedanken

Wir verzichten an dieser Stelle aus mehreren Gründen auf eine detaillierte Diskussion des Klangs der beiden Streaming-Clients. Zunächst bestimmt natürlich das jeweilige Gesamtsetup, in dem Auralic Aries Mini oder Bluesound Node 2 ihren Dienst verrichten, den letztendlichen Sound maßgeblich mit. Zudem lässt sich festhalten, dass das klangliche Niveau beider Geräte in jedem Fall so hoch ist, sodass die Streamer in den aller meisten Fällen kaum zum problematischen „Flaschenhals“ in der Audiokette werden dürften. Viel entscheidender ist bei der Frage nach dem richtigen Client die unterschiedliche Ausrichtung der Modelle: Um den vollen Komfort des Aries Mini nutzen zu können, ist ein iPad unerlässlich und durch die AirPlay Unterstützung ergeben sich weitere Synergieeffekte in einer Apple Umgebung. Die Möglichkeit DSD-Dateien abzuspielen ist für einen speziellen Nutzerkreis sicherlich ebenfalls sehr attraktiv. Auf der anderen Seite muss man dem Bluesound Node 2 eine deutlich größere Flexibilität im Bereich Online-Streaming und in Kombination mit verschiedenen Betriebssystemen attestieren. Darüber hinaus kann es durchaus interessant sein, eine via Node 2 erweitere Stereonlage im Verbund mit weiteren Multiroom-Komponenten des Herstellers zu nutzen, um die zentral verwaltete Musikbibliothek bei Bedarf in mehrere Räume streamen zu können.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

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