HDTV in Deutschland ab 2010

HDTV-Entwicklung in Deutschland:

Die technikbegeisterten Japaner sehen bereits seit 1970 hochauflösend Fern. In den USA ist der Startschuss zum HDTV 1998 gefallen: Mit Einführung und beginnender Durchdringung des Marktes mit hoch auflösenden Flachbildschirmen begannen die Sender flächendeckend hochauflösend zu übertragen.
Auch Australien setzt bereits auf den HD-Standard: Die Regierung verpflichtete im Jahr 2003 die Sender, mindestens 1040 Stunden HD-Material im Jahr zu übertragen.

Währenddessen wurde das Thema HDTV in Deutschland sehr stiefmütterlich behandelt. Abgesehen von einigen Testphasen und Nieschenprogrammen bieten derzeit einzig Arte, Anixe HD und Premiere-HD hochauflösende TV-Inhalte an. ProSieben/Sat.1 haben zwar bereits einige Monate in HD-Qualität übertragen, letztendlich wurde das Projekt jedoch vorübergehend ausgesetzt.

2010 wird durch die Öffentlich/Rechtlichen endlich auch in Deutschland der Startschuss für das HD-Fernsehen fallen. ARD und ZDF werden nach einigen Testphasen, z.B. während der Leichtathletik-WM, zu den Winterspielen im Februar 2010 zum HD-Regelbetrieb übergehen. Es bleibt zu hoffen, dass die privaten Sender kurz darauf ebenfalls wieder in hochauflösdener Qualität übertragen werden.

Die Technik:

Es gibt verschiedene HDTV-Standards. Neben dem „großen“ Full-HD 1080 mit 1920 x 1080 Bildpunkten gibt es den HD-Standard 720 mit einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln. Zudem gibt es zwei unterschiedliche Übertragungsmethoden:

Beim progressiven Fernsehbild (720p, 1080p) werden alle darzustellenden Pixel mit jedem Bild übertragen. Um die Datenrate zu reduzieren und damit die Kosten bei der Übertragung zu senken, gibt es zudem zwei interlaced-Übertragungsverfahren, in Deutschland auch bekannt unter „Zeilensprung-Übertragung“ (720i, 1080i). Hierbei wird bei jedem Bild nur jede zweite Zeile übertragen. Ein Algorythmus in der Elektronik des Fernsehers (der so genannte Deinterlacer) setzt die einzelnen Zeilen wieder zu kompletten Bildern zusammen.

Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile:
Das interlaced-Verfahren ermöglicht durch die reduzierte Datenrate höhere Auflösungen als das progressive-Verfahren bei gleicher Bandbreite. Allerdings produziert der Deinterlacer insbesondere bei
schnellen Bildern, z.B. Sport oder schnellen Kameraschwenks, Bildfehler.
Das progressive-Verfahren hingegen sendet Vollbilder und arbeitet daher bei gleicher Datenrate mit einer niedrigeren Auflösung. Insbesondere bei schnellen Bewegungen ist die Bildqualität bei 720p aber dennoch deutlich besser als bei 1080i.

Folgende Bilder zeigen die Arbeitsweise eines Deinterlacers. Um den Effekt deutlicher sichtbar zu machen wurde nur mit sehr wenigen Zeilen gearbeitet.

Ausgangsbilder

Interlaced

Deinterlaced

ARD und ZDF werden zu Beginn im 720p-Format übertragen, so dass ein TV-Gerät mit HD-Ready-Logo und einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln ersteinmal ausreichend sein wird, um das ausgestrahlte HD-Material in voller Qalität zu empfangen. Wer also bereits ein HD-Ready-Gerät besitzt, braucht für die zukünftig ausgestrahlten HD-Inhalte nur noch einen passenden Receiver. Neue hochwertige TV-Geräte ab 37″ gibt inzwischen fast nur noch mit zukunftstauglichem Full-HD-Panel, so dass der Kauf eines HD-Ready-Gerätes ohne Full-HD-Auflösung ab dieser Größenklasse nicht mehr empfehlenswert ist. Um die volle Auflösung eines Full-HD-Gerätes zu kosten, wird in den nächsten Jahren jedoch kein Weg an der BluRay-Disc vorbeiführen.

Vorraussetzungen für den HD-Empfang:

Während der herkömmliche TV-Standard PAL maximal 786×576 Pixel unterstützt, arbeitet selbst das „kleine“ HD-Signal 720p bereits mit 1280 x 720 Pixeln und bietet dadurch eine deutlich verbesserte Bildqualität auf aktuellen TV-Geräten. Allerdings wird für die Übertragung des 720p-Signals auch eine deutlich höhere Bandbreite benötigt. Um den Empfang von TV-Sendern in hoch auflösender Qualität zu gewährleisten wird auch von den Receivern einiges abverlangt: Die großen Datenmengen müssen nicht nur übertragen und empfangen, sondern auch entschlüsselt und decodiert werden.

Dazu benötigen Sie entweder ein aktuelles TV-Gerät mit digitalem HD-Tuner, oder eine separate Set-Top-Box. Beachten Sie dabei unbedingt, dass nicht jeder digitale Tuner auch HD-fähig ist.
Für den digitalen Empfang von Satelliten-Fernsehen wurde vor einiger Zeit der DVB-S2-Standard festgelegt. DVB-S2-Tuner sind unter anderem in den aktuellen Geräten von Panasonic und Loewe verbaut, so dass Sie hier keine separate Set-Top-Box benötigen. Der Standard für den Empfang von HD-Material über das Kabelnetz wurde noch nicht verabschiedet, so dass hier wahrscheinlich ein separater Tuner benötigt wird.

Vorraussichtlich wird zu Beginn der HDTV-Empfang nur via Satellit möglich sein. Die Kabelbetreiber werden aber nachrüsten, um weiterhin konkurrenzfähig zu sein. Ob und wann HDTV via DVB-T zu empfangen sein wird, ist derzeit noch vollkommen ungewiss.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.