Einmessysteme der AV-Receiver im Vergleich

Derzeit gibt es 3 weit verbreitete und z.T. sehr unterschiedliche Einmesssysteme am Markt.
Audyssey wird von einem unabhängigen Anbieter entwickelt und regelmäßig aktualisiert, die Hersteller der AV-Receiver können dieses Einmess-System in Ihre Receiver implementieren, ohne selbst ein Einmessystem entwickeln zu müssen. Audyssey kommt z.B. bei Denon, Marantz und Onkyo zum Einsatz. Wir vergleichen hier das Audyssey 32 XT aus dem aktuellen Denon-AVR 4311 mit den Konkurrenten.

Hier sind vor allem das YPAO von Yamaha, sowie das MCACC-System von Pioneer erwähnenswert – beide Systeme wurden von den jeweiligen Herstellern entickelt und können so besonders Flexibel an die Geräte angepasst werden. Wir nehmen auch hier die beiden aktuellen Geräte in der maximalen Ausbaustufe des Einmess-Systems zum Vergleich:
Den Pioneer SC-LX83 und den Yamaha RX-V3067.
Viele der kleineren Modelle bieten leicht abgespeckte Versionen der Einmessvarianten, so dass sich die allgemeinen Aussagen des Fazits auch auf die kleineren Modelle übertragen lassen sollten.

Die folgende Übersicht zeigt erstmal die groben Möglichkeiten der 3 Systeme. Wir haben in mehreren Räumen und auf verschiedenen Anlagen mit jedem Gerät eingemessen und die Messergebnisse miteinander verglichen.
Sicherlich kann man die Ergebnisse subjektiv bewerten – wir gehen von den technischen Spezifikationen der angeschlossenen Boxensysteme aus. Auf Klangempfehlungen / Unterschiede gehen wir bei Interesse in separaten Artikeln ein.

  Audyssey MCACC YPAO
Frequenzgang
Korrektur
+ + +
Laufzeit
Korrektur
+ + +
Raummoden
Korrektur
+ ++ +
Messung für
EINEN Hörbereich
Mehrpunkt Einzelpunkt Mehrpunkt
Messung für
MEHRERE Hörbereiche
- Einzelpunkt Mehrpunkt
Optimale Einstellungen
Automatisiert
++ + -
Manuelle Einstellmöglichkeiten + + ++


Um kurz zu erläutern wie wir zu den Ergebnissen kommen: Eine Frequenzgang- und Laufzeit-Korrektur bieten alle Drei Systeme auf ähnlichem Nivau. Der Pioneer besticht durch die separate Raummoden-Erkennung und ist hier die Nummer eins – er filtert mit unterschiedlich starken Flankensteilheiten in den besonders kritischen Bereichen und zeigt diese gesondert im Menü an. Dadurch bietet er die effektiefste Waffe gegen stehen Wellen und einhergehendes Dröhnen. Durch die 1-Punkt-Messung, bei der das Mikrofon nicht an mehreren Stellen aufgestellt wird wie bei Denon oder Yamaha, führt aber gerade die Messung in besonders kritischen Aufstellungen manchmal zu nicht perfekt eingestellten Übernahmefrequenzen der Boxen. So wurden die Surround-Boxen unserer Monitor-Audio-Silver RX-Anlage bei identischer Messung mal bei 60- und mal bei 80 Hz getrennt. Yamaha und Denon kamen hier immer zu identischen Ergebnissen.

Yamaha und Pioneer bieten die Möglichkeit, komplett unterschiedliche Positionen einzumessen und diese Separat aufzurufen – so flexibel arbeitet das Audyssey nicht, hier kann ich nur auf einen einzigen Hörbereich hin optimieren – also nicht zwischen verschiedenen Hörpositionen umschalten.

Automatische Einmessung:
Dafür lieferte das Audyssey bei gewissenhafter Einmessung die besten und zuverlässigsten Ergebnisse, wenn man die Aufstellung gewissenhaft durchführt. Alle Trennfrequenzen werden automatisch richtig gesetzt, die egal ob bei kleinen oder großen Boxen. Der Pioneer erziehlt – trotz lediglich einer einzigen Mikrofon-Positionierung – das zweitbeste Ergebnis im Feld. Nur in sehr kritischen Räumen oder bei sehr unterschiedlichen Lautsprechergrößen stößt das MCACC an Grenzen. So kann das System z.B. nur eine einzige Trennfrequenz einstellen – zu wenig, wenn man z.B. größere Standboxen, einen mittleren Center und sehr kleine Rears einsetzt (z.B. die Kombination Monitor Audio RX-6, RX-LCR und Radius 90HD).

Yamaha ist bezüglich der Trennfrequenzen variabler, trennt aber die Boxen oftmals unverschämt hoch, so dass der Klang unnatürlich dünn wirkt. In einem Wohnzimmer mit starken Eigenmoden trennte er z.B. die nuWave 105 Standlautsprecher jedes mal bei 220Hz – nicht hinnehmbar. Auch in klanglich besseren Räumen waren die Ergebnisse nicht überzeugend:

Das Set aus der KEF IQ-Serie wurde ebenfalls viel zu hoch getrennt (iQ7/80Hz, iQ60c/90Hz, iQ1/200!Hz). So klang das Set nach der Automatischen Einmessung wie ein Satelliten-System.
Da kann auch die 3-Punkt-Winkelmessung für die Surround-Lautsprecher nicht weiterhelfen – zumal ich mich frage, weshalb dieses spannende System nicht direkt ALLE Winkel ausmisst (Front? Surround-Back?)

Manuelle Optimierungen:
Die schwachen Ergebnisse der automatischen Einmessung kann der Yamaha durch die besten Einstellmöglichkeiten kompensieren. Bei keinem anderen AV-Receiver lassen sich Frequenzgang, Flankensteilheit der Filter etc. im Equalizer so einfach und schnell korrigieren.

Der Pioneer bietet ebenfalls sehr viele und genaue Einstellmöglichkeiten, kann mit dem Yamaha aber nicht mithalten. Besonders interessant ist beim Pioneer die Separate Messung – und Darstellung – der Raumeigenmoden.

Das in sich geschlossene Audyssey-System ist in diesem Punkt eher spärlich ausgestattet – manuelle Korrekturen sind nur unpräzise und recht kompliziert durchführbar. Abhilfe soll das Audyssey-Pro Einmessystem schaffen, welches vollständig am Computer eingestellt und von dort übertragen wird. Mit diesem System werden wir uns separat befassen.

Fazit
Trotz Raumeinmessung ist eine korrekte Aufstellung der Boxen immens wichtig – je mehr die Korrektur eingreifen muss, desto mehr verfälscht Sie auch den Klang. Große Boxen sollten mit etwas Wandabstand stehen und bei Nähe zur Seitenwand eingewinkelt werden. Der Center gehört bündig an die Front – und nicht „hinten ins Regal“. Die Surround-Boxen richte ich am liebsten auf den Center aus – dann gibt es in einem großen Hörbereich ein gutes Klangergebnis.
Insgesamt ergibt sich (ungeachtet der klanglichen Performance, aber die ist eh Geschmacksache) folgende Empfehlung:

Audyssey: Der Denon ist der Klassiker unter den Geräten – und bietet die insgesamt überzeugendste Einmessung, wenn es darum geht in einem Hörbereich (z.B. auf einem Sofa) ein optimales Ergebnis zu erziehlen. Dabei ist die Beschaffenheit des Boxensets zweitrangig – das Ergebniss ist immer „top“ bei guter Boxenaufstellung. Dadurch eignet sich der Denon für Ambitionierte Ein- und Aufsteiger, die keine Scheu vor allgemeinen Einstellungen haben, aber sich die manuelle Klanganpassung nicht zutrauen.

MCACC: Wenn es einfach gehen soll. Der Pioneer misst schnell und präzise ein, bietet weniger Einstellungen insgesamt und ist dadurch auch übersichtlich zu bedienen. Ein tolles Gerät – gerade wenn das Set homogen ist und die Boxen allesamt eine ähnliche Größe haben. Bei sehr unterschiedlichen Boxen beschneidet dass Bassmanagmenet die Möglichkeiten.

YPAO: Yamaha hat mit dem YAPO den Abstand zu Pioneer und Denon verkürzt, was die Einmessung angeht. Die Ergebnisse sind zwar nicht perfekt, dafür werden große Boxen zu hoch abgetrennt. Dafür ist die manuelle Korrektur derzeit die klare Nummer 1. Dadurch eignet sich der Yamaha RX-V3067 ganz besonders für alle Leute mit Ambitionen, Ihre Anlage manuell perfekt einzustellen. Die Bearbeitungsmöglichkeiten der Messergebnisse sind gigantisch – so lassen sich auch persönliche Hörgeschmäcker perfekt zufriedenstellen. Dadurch ist er DAS Topgerät für alle ambitionierten Nutzer, die sich tiefer mit der Materie auseinandersetzen möchten.

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. Schöner Vergleich, aber beim nächsten Mal sollte vielleicht jemand eine Rechtschreibprüfung machen 😉

  2. Verstehe ich das richtig, dass die Receiver die Raummoden automatisch korrigeren? Ich habe gelesen, dass der Pioneer das für Frenquenzen unter 63Hz nicht kann. Können das die anderen beiden?

  3. Hallo,

    die Aussage das Pioneer „nur“ bis 60Hz runtermisst habe ich auch schon gehört – weiß aber nicht final, ob das tatsächlich stimmt.

    Fakt ist aber, dass die Einmesssysteme der AV-Receiver im Tiefbassbereich überfordert sind. Egal ob Yamaha, Denon oder Pioneer, im Bereich 20-60 Hz ist ein Raum so schwer zu analysieren und zu kontrollieren dass hier eigentlich nur eine professionelle Optimierung helfen kann.

    2 Hauptprobleme des Tiefbasses: Stehende Wellen (Raummoden) und Nachhall. Während sich die Raummoden noch etwas korrigieren lassen ist der Nachhall im Tiefbass nur durch Raumoptimierung (Plattenabsorber, Resonatoren) oder aktive Bassabsorber (aktive Bassfalle, DBA) zu korrigieren – hier kann eine elektronische Phasen- und Frequenzgangkorrektur nichts ausrichten. Deshalb ist es gar nicht so erheblich ob ein AV-Receiver bis 20, 40 oder 60 Hz runter misst – die Ergebnisse stimmen in dem Frequenzbereich idR eh nicht. Und WENN Sie stimmen, kann der AVR immer noch nicht viel gegen die größten Probleme tun ^^.

    Die besten manuellen Anpassungsmöglichkeiten in dem Bereich bietet übrigens Yamaha – hier lassen sich Filter manuell setzen und Flankensteilheit und Frequenz genau bestimmen. So präzise lassen sich die Anderen Geräte nicht einstellen – ausser man investiert bei Denon zusätzlich in Audyssey Pro.

  4. Danke für die Info Frank. Mein Raum ist 4,9 m breit, 5,3 m lang und 2,45 m hoch mit jeweils massiven Wänden, einem Boden mit Parkett, darunter Beton und oben eine echte Holzdecke. Ich hoffe, ich kriege das gebacken (incl. WAF!!!)

  5. Haben sich die Einmesssysteme seit 2012 verbessert? Wenn ja, wie? Muß man sich immer die zigtausend Euro teuren Flagschiffe kaufen für die beste Eimessmöglichkeit oder geht es auch für 600 Euro?

  6. Die Einmess-Systeme von Yamaha und Pioneer sind im wesentlichen unverändert, Audyssey XT32 wurde nochmals optimiert / verbessert und ist in Geräten ab ca. 1100€ zu finden (Denon AVR X 4200W). Dazu kommen neue Systeme die extrem Vielversprechend sind – allen voran das Dirac Live welches in Arcam-AV-Receivern zum Einsatz kommt. Diese sind allerdings auch erst ab 3300€ erhältlich.
    Dirac funktioniert mindestens so gut wie XT32 und damit rangiert es oberhalb von YPAO und MCACC, ermöglicht aber anders als XT32 die Berücksichtigung persönlicher Präferenzen. Durch die Einmessung am Rechner können Zielkurven einfach und invididuell bearbeitet werden. Aus meiner Sicht das TOP-Einmess-System für Consumer 2016! Audyssey Pro ist ähnlich vielseitig, aber deutlich aufwendiger in der Handhabung. Im Semi-Profi-Bereich kommt dann noch Trinnov zum Einsatz, allerdings in Preisklassen oberhalb 20.000€ für eine Surround-Vorstufe…

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