Die Quelle guter Musik. Teil 3: Online-Streaming

Was vor ein paar Jahren im wahrsten Sinne des Wortes noch wie Zukunftsmusik klang hat sich inzwischen als ernstzunehmendes Standbein der Musikwirtschaft etabliert. Im Jahr 2013 erreichte der Marktanteil der Online-Streaming-Dienste 5% des Gesamtumsatzes der Musikindustrie in Deutschland und eine Wachstumsrate von 91% zeigt: Hier ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Inzwischen buhlt eine ganze Reihe von Anbietern um die Gunst des Kunden. Diese unterscheiden sich nicht nur im Hinblick auf die gebotene Klangqualität, sondern auch in puncto Kompatibilität und Preismodell. Es lohnt sich also genauer hinzuschauen und das haben wir bei einigen der großen Dienste für Sie getan.

a2d73b7d05823b55_org_web

Die Auswahl

Unsere Wahl fiel dabei auf Google, Spotify, Napster und WiMP. Google ist in Deutschland zwar erst Ende 2013 mit seinem Dienst „Google Play Music-All-Inclusive“ online gegangen, aber als echtes Branchenschwergewicht und wegen der engen Verknüpfung mit Android-basierten Endgeräten immer einen Blick wert. Das schwedische Unternehmen Spotify gilt als Mutter des Streaming. Aufgrund jahrelanger Querelen um Lizenzgebühren verschob sich der Deutschlandstart jedoch auf März 2012. Zu diesem Zeitpunkt war der Innovationsvorsprung bereits verspielt und Spotify nicht mehr konkurrenzlos. Napster erlangte erstmals Anfang des Jahrtausends mediale Aufmerksamkeit als große illegale Tauschbörse für Musik. Nach einem Prozess gegen die Betreiber wegen Urheberrechtsverletzung, wurde Napster in dieser Form abgeschaltet. Geblieben ist nur der Name. Inzwischen handelt es sich um einen vollkommen legalen Anbieter für Musikstreaming. Der letzte im Bunde hat seinen Ursprung in Norwegen und ist nur in wenigen und ausschließlich europäischen Ländern verfügbar. Dass es sich bei WiMP nur vermeintlich um den Underdog in der Gruppe handelt, zeigt ein Blick auf die Klangqualität.

Der Klang

WiMP ist der einzige Anbieter in unserem Überblick, der mit „WiMP Hifi“ eine Option für verlustfreies Streaming im Programm hat. Durch die Nutzung spezieller Formate (FLAC, ALAC) kommt der Nutzer in den Genuss von Musik in CD-Qualität, obwohl eine durchschnittliche Internetverbindung normalerweise mit Dateien dieser Größe überfordert wäre. Die Konkurrenz setzt bei ihren Angeboten ausschließlich verlustbehaftete Formate (mp3, AAC, Ogg Vorbis) mit Bitraten von bis zu 320 kBit/s oder vergleichbaren Werten. Einzig Napster hinkt hier mit 192 kBit/s hinterher. Dabei handelt es sich stets um Werte, die den Bereich den Möglichen beschreiben. Nutzen Sie den Service auf mobilen Endgeräten, sind Sie von ihrer Mobilfunkverbindung abhängig und müssen sich gegebenenfalls mit einer niedrigeren Qualität zufrieden geben.

spotify-logo-primary-horizo

Empfänger

Apropos Endgeräte: Hier sind die Optionen vielfältig. Alle Dienste – abgesehen von WiMP – können direkt über den Browser ihres heimischen Computers benutzt werden, während Google daheim wiederum nur via Browser funktioniert. Die anderen Kandidaten bieten eine Software zum Download an, die es selbstverständlich für Windows, aber auch für Mac OS gibt. Spotify ist hier vorbildlich und hat sogar eine Linux-Version im Programm. Mobil sind Sie mit iOS und Android in jedem Fall auf der sicheren Seite. Wieder punktet Spotify mit vielfältiger Unterstützung und funktioniert auch auf Windows Phone- und BlackBerry OS-Systemen uneingeschränkt. Napster und WiMP unterstützen ebenfalls Windows Phone, allerdings ist dort „WiMP HiFi“ noch nicht verfügbar. Laut WiMP-Homepage hakt es am Betriebssystem. Eine Implementierung soll erfolgen, sobald Windows Phone ein entsprechendes Update bekommen hat.

Darüber hinaus ist eine direkte Verbindung zu modernen Multiroom-Systemen möglich. Lösungen der Marke Sonos sind mit allen hier vorgestellten Anbietern kompatibel, während etwa Bluesound lediglich auf den Katalog von WiMP und WiMP HiFi zugreifen kann. Raumfeld – das Multiroom-System von Teufel – unterstützt derzeit nur Napster, Spotify und WiMP sollen folgen.

google_play_store_logo_web
Der Katalog

Entscheidet man sich für das Online-Streaming, stellt sich neben der Kompatibilität und der Klangqualität die Frage nach dem gebotenen Musikkatalog und ob der eigene Musikgeschmack entsprechend repräsentiert wird. Hier fällt das Urteil nicht eindeutig aus. Die gute Nachricht ist, dass alle Dienste inzwischen über 20 Millionen Titel im Sortiment haben. Wer also hauptsächlich aktuelle Songs, bekannte Künstler und Klassiker sucht, dürfte zufrieden sein. Werden die Musikwünsche exotischer, so wird auch die Trefferquote in aller Regel sinken. Dieser Umstand liegt in der Natur der Sache, denn das Angebot ist selbstverständlich auf einen breiten Markt zugeschnitten und kann und will nicht mit einer jahrelang aufgebauten und gepflegten Plattensammlung mithalten. Einige Künstler oder Songs werden Sie übrigens bei allen Anbietern vergeblich suchen, obwohl es an Nachfrage nicht mangelt. Immer wieder kommt es vor, dass sich Labels weigern ihr Werk, oder zumindest Teile davon, für das Online-Streaming freizugeben. Dazu gehören etwa Die Ärzte, Die Toten Hosen, die Beatles oder Radiohead. Metallica stellten sich ebenfalls eine Zeit lang quer, haben sich aber inzwischen mit Spotify auf einen Exklusiv-Deal geeinigt.

Damit man angesichts des stattlichen Angebots nicht den Überblick verliert, haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen. Neben Suchfunktionen und der Möglichkeit Playlisten zu erstellen, gibt es verschiedene Ansätze dem geneigten Nutzer Empfehlungen zu präsentieren. Diese reichen von redaktionell betreuten Vorschlägen, über Bestenlisten mit den meistgespielten Titeln verschiedener Genres, bis hin zu Kritiken namhafter Musikmagazine und sorgen ganz sicher für die eine oder andere Neuentdeckung.

Kosten

Ein weiterer relevanter Faktor bei der Wahl des zukünftigen Streaming-Anbieters ist sicherlich der Preis. Spotify setzt sich hier von den Mitbewerbern ab. Es ist der einzige Service, bei dem eine werbefinanzierte, aber ansonsten kostenlose Option zur Verfügung steht – leider allerdings nur am Computer. Napster, Google und WiMP bieten eine gebührenfreie Testphase von 30 Tagen an. Im Anschluss liegen die Tarife für die stationäre und mobile Nutzung bei allen Anbietern knapp unter 10 Euro. Teilweise gibt es noch günstiger gestaltete Basisangebote, die aber aufgrund der geringen Ersparnis und den Einschränkungen bei der Benutzung nur bedingt zu empfehlen sind. Das klanglich hochwertigere „WiMP Hifi“ schlägt mit knapp 20 Euro zu Buche, die Testzeit beträgt hier nur 7 Tage.

napster_logo_web

Fazit

Es bleibt festzuhalten: Bei der Entscheidung für oder gegen das Online-Streaming sollte man realistische Maßstäbe anlegen. Es handelt sich um eine relativ junge Technologie und setzt man ausschließlich auf Streaming-Dienste, so ist der ungestörte Musikgenuss maßgeblich von einer schnellen und stabilen Internetverbindung abhängig. Das Repertoire der Anbieter hat inzwischen eine beachtliche Größe erreicht, trotzdem wird hier nicht jeder uneingeschränkt glücklich werden. Auf der anderen Seite ist in Anbetracht der wachsenden Marktbedeutung des Streaming und der voranschreitenden technologischen Entwicklung davon auszugehen, dass solche Kritikpunkte nach und nach an Gewicht einbüßen. Mit dem kürzlich bekannt gewordenen Kauf der Firma Beats und dem zugehörigen Streaming-Anbieter „Beats Music“, der zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht in Deutschland verfügbar ist, versucht sich nun auch Apple zu positionieren. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass zurzeit viel Bewegung am Markt herrscht.

In Sachen Klangqualität ist noch Luft nach oben. Hier ist vor allem die Bandbreite mobiler, aber auch stationärer Internetverbindungen nach wie vor ein Problem, „WiMP Hifi“ zeigt jedoch bereits wo die Reise hingeht. Wer Wert auf wirklich hoch aufgelösten Klang deutlich über CD-Qualität legt, wird im Bereich des Online-Streaming im Moment noch nicht fündig. Stattdessen bieten sich in diesem Fall entsprechende Download-Portale an. Die erworbenen „Hi-Res“-Musikdateien können dann innerhalb der eigenen vier Wände beispielsweise vom Computer auf die Stereoanlage gestreamt werden. Zum sogenannten „lokalen“ Streaming existiert ebenfalls ein ausführlicher Artikel in unserem Blog.

Außerdem beraten wir Sie gerne umfassend und stehen Ihnen telefonisch unter 030 253 753 10, per Email unter eShop@hifi-im-hinterhof.de und selbstverständlich von Angesicht zu Angesicht in der Großbeerenstraße 65/66 in Berlin-Kreuzberg zur Verfügung. Mo – Fr 10:00 – 19:00, Sa 10:00 – 15:00

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.