Die Quelle guter Musik. Teil 1: Streaming

Die Auswahl an möglichen Audio-Abspielformaten hat inzwischen eine nie dagewesene Vielfalt erreicht. Während lange Zeit lediglich Vinyl, CD und Tonbänder den Markt beherrschten, hat sich im Zuge der rasanten Weiterentwicklung der Computertechnologie eine Reihe digitaler Formate und damit einhergehender Übertragungsarten etabliert. Diese Entwicklung ist keineswegs abgeschlossen und mit zunehmender Vielfalt ist auch die Komplexität deutlich gestiegen. Grund genug für Hifi-and-Friends.de sich dem Thema anzunehmen und sich im Rahmen der „Besser hören“-Reihe mit neuen und alten Technologien zu beschäftigen.

All-In-One: Der Naim Uniti 2

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Im ersten Teil der Serie steht das lokale Streaming im Mittelpunkt. Lokal deshalb, weil es nicht etwa um das Streamen von Musik über das Internet, sondern speziell im Bereich der Unterhaltungselektronik gehen soll. Dabei werden digital gespeicherte Inhalte von einem Gerät – dies kann ein mp3-Player, ein Laptop, oder ein dezidierter Audio-Netzwerk-Player sein – auf digitalem Weg an einen Verstärker und von dort schließlich an die Lautsprecher übertragen. Daraus ergeben sich zwei entscheidende Faktoren für eine möglichst hochwertige Datenübermittlung: Das Dateiformat und die Übertragungsmethode.

Dateiformate

Anstatt sich in den Abkürzungs-Jungle zu stürzen (.wav, .flac, .aac, .aiff, .ogg, … die Liste lässt sich fast beliebig ausdehnen), ist es sinnvoll einige grundlegende Unterscheidungen vorzunehmen. Zunächst gibt es komprimierte und nicht komprimierte Audioformate. Dahinter steht die Überlegung, bei nicht optimalen Übertragungsmöglichkeiten die Datenmenge zu verringern (die Daten zu komprimieren), sodass ein flüssiger Datenstrom gewährleistet ist. In diesem Zusammenhang erschließt sich die Bedeutung der Bitrate, wie sie etwa bei mp3-Dateien angeben wird (bekannte Werte sind 128 kBit/s, 192 kBit/s, 320 kBit/s). Hier ist die Datendurchsatzrate pro Sekunde beschränkt, sodass pro Zeiteinheit eine bestimmte Datenmenge nicht überschritten wird. Somit ist gewährleistet, dass schwache Verbindungen nicht mit großen Datenmengen überfordert werden.

Damit aber noch nicht genug. Die Komprimierung von Audiodateien kann sowohl verlustfrei, als auch verlustbehaftet sein. Algorithmen, die verlustfrei arbeiten, erlauben eine Bit-identische Rekonstruktion des ursprünglichen Signals, während letztere das Signal in weniger relevanten Anteilen nur näherungsweise speichern bzw. ganz beschneiden. Das betrifft etwa sehr hohe Frequenzen, die am oberen Ende des menschlichen Hörspektrums liegen. Bei der Beurteilung verlustbehafteter Codecs liefert die Bitrate den entscheidenden Hinweis bezüglich der zu erwartenden Audioqualität.

Einen guten Referenzpunkt bei der Beurteilung verlustfreier Formate bietet die gute, alte CD. Denn auch auf ihr wird die Musik in digitaler Form gespeichert. Es gibt keine sich kontinuierlich verändernden Rillen wie bei der analogen Schallplatte, sondern sogenannte „pits“ und „lands“, die von dem Laser im CD-Player abgetastet werden. Dabei arbeitet die CD mit einer Wortbreite von 16 Bit und einer Abtastfrequenz von 44.1 kHz. Diese Werte beziehen sich auf die Genauigkeit mit der das Audiosignal digital dargestellt wird. Audiodateien können auch deutlich feiner aufgelöst sein und zum Beispiel mit 24 bzw. 32 Bit Wortbreite und Abtastfrequenzen bis zu 192 kHz aufwarten. Diese besonders hohen Wortbreiten und Sampling-Frequenzen spielten bisher eher im Bereich der Musikproduktion eine Rolle. Da dort in der Regel die erste A/D-Wandlung der aufgenommenen Signale stattfindet, wiegt hier das Argument höchstmöglicher Präzision bei der digitalen Abbildung weit größer, als Aspekte wie die Dateigröße oder die Übertragungsgeschwindigkeit. Inzwischen ist Speicherplatz jedoch kaum noch der Redewert und auch die Datenübertragung wird immer schneller und stabiler. So werden die hoch aufgelösten Dateien auch für den Endkunden interessant.

Eine kleine Übersicht über gängige Audioformate

Kleine Übersicht über gängige Audioformate

Übertragungsmethode

Ganz ähnlich wie bei den Dateiformaten gibt es auch beim Thema Übertragung verschiedene Systeme und dementsprechend Vorzüge und Grenzen, die es zu beachten gilt. Eine Option ist die Übermittlung per Ethernet-Schnittstelle. Diese kabelgebundene Variante (mit CAT6- oder CAT7-Netzwerkkabel) bietet einen schnellen und zuverlässigen Transfer selbst großer Datenmengen – ideal für hochqualitatives Audio- und Videomaterial.

Alternativ dazu gibt es die Möglichkeit per Wireless-LAN zu streamen. Auf Kabel kann so weitgehend verzichtet werden. Das sorgt für Ordnung und sieht gut aus. Allerdings gibt es auch einige Nachteile. WLAN-Netzwerke funken in einem relativ kleinen Frequenzbereich, sodass sie sich auf engem Raum häufig gegenseitig stören. Dies kann gerade in Ballungsgebieten zu Problemen mit der Verbindungsgeschwindigkeit führen. Die Nutzung von WLAN-Repeatern beeinträchtigt die Übertragung ebenfalls. Um besser einschätzen zu können, welche Netzwerke vor Ort aktiv sind und welche Kanäle für eine möglichst störungsarme Verbindung bereitstehen, gibt es entsprechende Analysetools, wie zum Beispiel das Programm inSSIDer (http://www.metageek.net/products/inssider/).

Als Faustregel gilt: Daten in CD-Qualität und darunter lassen sich per Wi-Fi relativ problemlos streamen. Hochauflösende Musik- und Videodateien hingegen überfordern jedoch die meisten Funknetze – es kommt zu sporadischen Fehlern und Aussetzern bei der Übertragung. Abhilfe kann in diesem Fall ein PowerLAN schaffen. Hierbei werden Daten mittels Steckdosenadapter von einem Netzwerkkabel in das hauseigene Stromnetz eingespeist. Die hohe Geschwindigkeit und die einfache Einrichtung sprechen für den PowerLAN-Standard. Zusätzlich ist das System relativ sicher gegenüber Einstreuungen. Probleme können auftreten, wenn verschiedene Sicherungsautomaten vorhanden sind.

Vorteile des Streamings

Einige Vorteile wurden bereits angesprochen. So bieten „Hi-Res“-Audiodateien in Studio-Qualität audiophilen Genuss, der weit über die bekannte CD-Qualität hinausgehen kann. Das Wort Kabelsalat kann man – was die eigenen vier Wände angeht – aus seinem Wortschatz streichen und es gibt noch eine Reihe weiterer Annehmlichkeiten. Da wäre zunächst die Möglichkeit bequem von jedem Ort im Haus auf das eigene Medienarchiv zuzugreifen und diverse Parameter wie Lautstärke, Songauswahl, etc. der Situation anpassen zu können. Auch und vor allem dann, wenn man gerade nicht vom Sofa aufstehen möchte. Dank einer großen Bandbreite von Webradios, Online-Streaming-Diensten und Download-Portalen, stehen außerdem neue Inhalte jederzeit zur Verfügung.

Ein weiteres Highlight: Sogenannte Multiroom-Lösungen bringen Bild und Ton in alle Räume. Damit können von zentraler Stelle aus und je nach Bedarf mehrere Bildschirme und Lautsprecher-Arrangements – sowohl klassisch in Stereo, als auch in Mehrkanal-Setups – bespielt werden. Das Einbinden von verschiedenen Endgeräten, zum Beispiel iDevices, Smartphones, mp3-Player oder USB-Sticks, eröffnet eine enorme Flexibiliät und dank zahlreicher Apps auch individuelle Steuermöglichkeiten für ihr System.

Kabellos, guter Sound: Sonos Play:3 mit SUB

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Schlussgedanken

Auch wenn das Thema Streaming im Bereich der Unterhaltungselektronik gerade erst im Kommen ist: Es handelt sich ganz sicher nicht um einen kurzlebigen Trend, sondern um die Zukunft. Die haptischen Medien werden in die Nische verdrängt und haben dort sicherlich ihre Daseinsberechtigung, während qualitativ hochwertige, digitale Inhalte in immer schnelleren und stabileren Netzwerken fluktuieren und dem Anwender zu jeder Zeit und an jedem Ort zur Verfügung stehen.

Der Wunsch nach digitalem High-End Musikgenuss ist inzwischen bei Industrie und Musikdistributoren angekommen. Unlängst sorgte Neil Young mit seinem PonoPlayer für Schlagzeilen, dessen Crowdfunding-Kampagne binnen 24 Stunden das ursprüngliche Ziel von 800.000 US-Dollar weit hinter sich ließ. Darüber hinaus gibt es derzeit Gerüchte, dass Apple möglicherweise bald hoch aufgelöste Musikdateien im iTunes Store anbietet. Dieser Schritt würde wiederum die Konkurrenz unter Druck setzen. Damit stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Angebot an „Hi-Res“-Audiodateien in Zukunft wächst und der Zugang durch die großen Anbieter deutlich erleichtert wird.

Sollte Sie nun die Neugierde gepackt haben, beraten wir Sie gerne umfassend. Wir stehen Ihnen telefonisch unter 030 253 753 10, per Email unter eShop@hifi-im-hinterhof.de und selbstverständlich von Angesicht zu Angesicht in der Großbeerenstraße 65/66 in Berlin-Kreuzberg zur Verfügung. Mo – Fr 10:00 – 19:00, Sa 10:00 – 15:00

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