Die Heimkino-Leinwand – Typen und Technik im Überblick

Sie ist mindestens genauso essentiell für ein gelungenes Heimkino-Erlebnis wie AV-Receiver, Projektor und Co., trotzdem fristet die Leinwand bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Heimkino häufig ein Schattendasein. Einerseits absolut nachvollziehbar – die aufsehen-erregenden technischen Neuerungen finden in der Regel in anderen Bereichen statt – steht dieser Umstand andererseits völlig im Kontrast zu der Tatsache, dass die Leinwand später der meist betrachtete und bestenfalls der einzige hell erleuchtete Platz im Heimkino ist. Fehler in der Verarbeitung fallen jedes Mal aufs Neue gnadenlos auf und nicht nur das: Die Leinwand bestimmt durchaus die Qualität des dargestellten Bildes maßgeblich mit. Es gibt also genügend Gründe, dieses Thema einmal näher zu betrachten.

Akustisch transparente Rahmenleinwand von Xodiac

Die ideale Leinwand

Die ideale Leinwand besitzt eine äußerst feine Projektionsfläche, reflektiert möglichst farbneutral, ist an verschiedene Bildmaße anpassbar und bestenfalls absolut plan, sodass das projizierte Bild artefaktfrei, vollständig und originalgetreu dargestellt wird. Während die Theorie quasi in einem Satz abzuhandeln ist, wird es in der Praxis allerdings schnell komplex: Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Leinwandtypen, die unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung tragen und unserem Ideal dementsprechend unterschiedlich nahe kommen. Um den Überblick zu wahren, stellen wir zunächst die wichtigsten Typen vor. Anschließend gehen wir ins Detail und betrachten spezielle Ausstattungsmerkmale, die es bei der Auswahl einer passenden Leinwand zu berücksichtigen gilt.

Stativleinwände

Wir beginnen mit den typischen Stativleinwänden, die sich je nach Bedarf auf- und wieder zusammenbauen lassen. Diese Option scheint zunächst praktisch und insbesondere dann interessant, wenn beispielsweise das Wohnzimmer nur gelegentlich zum Heimkino umfunktioniert werden soll. Zu Gunsten der erhöhten Mobilität sind jedoch Abstriche bei der Konstruktion unumgänglich, die Mechaniken sind oft weniger stabil und die verwendeten Tücher dünner als bei fest installierten Lösungen. Daraus ergeben sich wiederum Konsequenzen für die Bildqualität, die aufgrund der nicht ausreichend straffen Projektionsfläche sowie den schlechteren Reflexionseigenschaften oft deutlich gemindert wird. Abgesehen davon kann das Auf- und Abbauprozedere je nach Größe durchaus mühselig sein und hinterlässt langfristig Spuren auf der Leinwand, sodass wir diese Lösung für Heimkino-Anwendungen im Grunde kaum empfehlen können.

Rollo- und Motorleinwände

WS-Spalluto Motorleinwand - 16:9 Format

Deutlich geeigneter für diesen Zweck sind die sogenannten Rollo- und Motorleinwände. Während man bei Rollo-Leinwänden selbst Hand anlegen muss, sind letztere aufgrund der Motorisierung natürlich deutlich komfortabler und lassen sich gegebenenfalls auch in eine umfassende Heimautomation einbinden. Abgesehen davon funktionieren beide Varianten grundsätzlich nach demselben Prinzip. Ähnlich wie bei einer Jalousie wird ein Rollkasten an beziehungsweise in der Zimmerdecke installiert und die Projektionsfläche bei Bedarf ausgefahren. Rollo- und Motorleinwände sind zwar weniger flexibel als Stativleinwände, erlauben es aber immerhin, die Projektionsfläche problemlos zu verstauen und bieten außerdem konstruktionsbedingte Vorteile: Da der Aspekt der Mobilität hier keine Rolle mehr spielt, steht der Verwendung stabilerer Mechaniken sowie strapazierfähigerer Tücher mit besseren Reflexionseigenschaften nichts im Wege. Viele der qualitativ hochwertigen Motorleinwände warten darüber hinaus speziellen Features auf, die man bei Stativleinwänden in der Regel vergebens sucht.

Rahmenleinwände

WS-Spalluto Rahmenleinwand - keine Anpassung der Maskierung

Bevor wir uns diesen Besonderheiten sowie weiteren Aspekten der Leinwandtechnik im Detail widmen, stellen wir zunächst noch den dritten und letzten wichtigen Leinwandtypus vor. Die sogenannten Rahmenleinwände besitzen – der Name verrät eigentlich schon alles – einen festen Rahmen und lassen sich folglich weder zusammenbauen noch in einem Rollkasten verstecken. Damit sind sie natürlich mit Abstand am unflexibelsten und weniger high-tech als eine ausgefeilte Motorleinwand, tun aber gerade deshalb sehr zuverlässig ihren Dienst. Das Tuch ist fest in den Rahmen eingespannt und dadurch absolut plan. Die tiefschwarze Beschichtung aus Samt oder Velours begrenzt das projizierte Bild sauber zu allen Seiten. Das ist für das Auge sehr angenehm, lässt den Kontrast kräftiger wirken und bringt das Bild insgesamt besser zur Geltung.

Maskierung

Eine solche Rahmung des Bildes, die ebenfalls bei manchen Motorleinwände in Form eines schwarzen Umlaufs zu finden ist, wird im Fachjargon auch Maskierung genannt und im Idealfall bietet eine Leinwand die Möglichkeit, diese flexibel an das Bild anzupassen. Hier sind natürlich vor allem zwei Optionen – 16:9 und 21:9 – für Heimkino-Fans ganz besonders interessant. Bei dezidierten Multiformat-Leinwänden stehen zudem noch weitere Formate zur Auswahl, sodass die oben dargestellten Vorzüge einer klaren Bildbegrenzung unabhängig vom Quellmaterial erhalten bleiben. Je nach Leinwandtypus ist die Anpassung an verschiedene Bildformate unterschiedlich gelöst. Während Rahmenleinwände häufig die Möglichkeit bieten, die Maskierung beidseitig vertikal anzugleichen, ändern sich bei Motorleinwänden in der Regel auf Kopfdruck der Vorlauf (Black Drop) sowie der Abstand der Leinwandunterkante zum Boden.

WS-Spalluto Rahmenleinwand - mit Anpassung der Maskierung

WS-Spalluto Rahmenleinwand - Einfache Anpassung der Maskierung per Hand

WS-Spalluto Rahmenleinwand - Der Maskierungsmechanismus in der Nahaufnahme

Seilspanntechnik

Da Motorleinwände über keinen festen Rahmen verfügen, kommt bei einigen Exemplaren zur Stabilisierung die sogenannte Seilspanntechnik zum Einsatz. Vertikal verlaufende Gummizüge sorgen für zusätzliche Spannung und verhindern eine unerwünschte Wölbung des Tuchs, die insbesondere in den Randbereichen der Projektionsfläche auftreten kann. Ein entsprechend kräftiges Tuch vorausgesetzt, können Leinwände auch ohne Seilspanntechnik durchaus plan hängen. Wenn die Breite der Projektionsfläche die Zwei-Meter-Marke deutlich überschreitet, raten wir allerdings eher zu einer Seilspann- beziehungsweise Tension-Leinwand.

WS-Spalluto Motorleinwand - 21:9 Maskierung mit angepasster Höhe und Seilspanntechnik

WS-Spalluto Motorleinwand - Seilspanntechnik im Detail

WS-Spalluto Motorleinwand - Solide Querstrebe an der Unterkante

Leinwandtücher

Die Projektionsflächen selbst werden häufig aus einem Material auf Glasfaser- oder Vinylbasis gefertigt. Sie sollten unbedingt farbneutral sein, sodass das Bild nicht verfälscht wird und darüber hinaus eine schwarze Rückseite besitzen, um gegebenenfalls rückseitigen Restlicht-Reflexionen vorzubeugen. Des Weiteren gilt es unterschiedliche Arten von Tüchern zu unterscheiden, wir beschränken uns an dieser Stelle auf die zwei wichtigsten Varianten. Diffus abstrahlende Leinwände, die auch unter dem Banner „Typ D“ firmieren oder einfach als „mattweiß“ bezeichnet werden, reflektieren das einfallende Licht weitestgehend gleichmäßig in alle Richtungen und sind in den meisten Fällen die erste Wahl. Bei schwierigen Lichtverhältnissen kommt unter Umständen auch ein spiegelndes Tuch vom „Typ S“ in Frage. Es wirft das Licht gebündelt zurück und sorgt so in einem bestimmten Bereich vor der Leinwand für einen kräftigeren Bildeindruck. Erkauft wird dieser Effekt jedoch durch eine weniger gleichmäßige Gesamtausleuchtung sowie einen eingeschränkten Betrachtungswinkel. Solche Tücher werden auch als „Gain-Tücher“ bezeichnet. Dieser Ausdruck verweist auf den sogenannten Gain- beziehungsweise Leuchtdichtefaktor, der die Stärke der Bündelung in einem numerischen Wert ausdrückt. Zur Orientierung: Der Gain-Faktor für ein mattweißes, diffus abstrahlendes Tuch beträgt 1,0, während Gain-Tüchern höhere Werte – zum Beispiel 1,5 – zugeordnet werden.

Abschließend sei noch eine spezielle Tuch-Variante erwähnt. Das akustisch transparente Tuch besitzt eine perforierte Oberfläche und ermöglicht die Platzierung von Lautsprechern hinter der Leinwand, ohne dass es zu nennenswerten Klangeinbußen kommt. Gegebenenfalls ist darauf zu achten, dass eine solche Leinwand trotz der speziellen Struktur in der Lage ist, ein Bild in 4K-Auflösung zu reflektieren.

Akustisch transparente Rahmenleinwand von Xodiac - Detailaufnahme

Schlussgedanken

Damit sind wir am Ende unseres kleinen Überblicks zum Thema Heimkino-Leinwände angekommen. Obwohl es sich vielleicht nicht um den spannendste und innovationsträchtigste Feld im Bereich der Heimkino-Elektronik handelt, lohnt es sich trotzdem etwas Zeit in die Suche nach „der Richtigen“ zu investieren und seine Wahl sorgfältig zu treffen. Wir setzen auf Produkte der Hersteller Visivo, WS-Spalluto sowie Xodiac und decken damit das gesamte Spektrum der hier vorgestellten Leinwandtypen ab. Gerne finden wir in einem persönlichen Gespräch gemeinsam mit Ihnen die Lösung, die Ihren Bedürfnissen und den jeweiligen räumlichen Gegebenheiten vor Ort gerecht wird. Darüber hinaus können Sie in unseren Heimkino-Studios selbstverständlich diverse Modelle in Augenschein nehmen und testen.

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Guter Artikel! Vor allem der Rahmenleinwand Teil ist exzellent. Rahmenleinwände, falls eigener Heimkinoraum, das Nonplusultra!

  2. Vielen Dank für das positive Feedback! Freut uns natürlich immer sehr, wenn die Artikel gut ankommen. 🙂

  3. Habe selbst ein Einsteigermodell von Celexon seit über 2 Jahren und bin sehr zufrieden.
    Ich kann aber ehrlich gesagt nicht genau beurteilen welche besser oder schlechter sind.
    Mir ist bis jetzt nichts negativ aufgefallen.
    Macht mit dem Samsung A600B schon ein sehr gutes Bild.

  4. Rahmenleinwände sind das einzig Wahre. Ich habe mir gerade, nachdem ich mir die meisten der qualitativ hochwertigenLeinwände angesehen habe, eine Vario-Rahmenleinwand von AV Stumpfl zugelegt. Qualitativ ist die aus meiner Sicht mindestens so gut wie die von Euch empfohlenen und trotz der Mobilität und fünfjährigen Garantie nicht teurer.

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