Aktive und passive Lautsprecher – Ein Überblick

In der HiFi-Welt gibt es eine ganze Reihe von Themen, die sich auch nach jahrzehntelanger Diskussion nicht erschöpfen. Eine dieser Grundsatzfragen dreht sich um die Vor- und Nachteile aktiver Lautsprecher gegenüber einer Kombination aus externem Leistungsverstärker und passiven Lautsprechern. Üblicherweise werden in der Debatte vor allem technische Argumente ausgetauscht und auch wir werden diesen Aspekt beleuchten, möchten aber zusätzlich ein paar Gedanken zum Thema „verändertes Nutzungsverhalten“ und den möglichen Konsequenzen anfügen.

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Technische Unterschiede bei Passiv- und Aktiv-Systemen

Wir beginnen mit der technischen Seite des Themas und widmen uns zunächst dem klassischen Fall – einer Kombination aus externem Verstärker und passivem Lautsprecher. Im ersten Schritt erreicht das Quellsignal hier den Leistungsverstärker und wird dort – es lässt sich bereits erahnen – verstärkt. Dabei wird im Grunde das schwache Musiksignal auf den Leistungsstrom aus der Steckdose aufmoduliert, sodass es anschließend stark genug ist, um die Treiber des Lautsprechers in Schwingung zu versetzen. Da in einem Lautsprechergehäuse jedoch in der Regel jeweils spezielle Chassis für die einzelnen Frequenzbereiche – häufig als Zwei-Wege- oder Drei-Wege-Systeme – verbaut werden, muss das Signal entsprechend getrennt werden. Diese Trennung erfolgt typischerweise mithilfe einer sogenannten passiven Frequenzweiche. Die Bezeichnung ergibt sich aus der Tatsache, dass hier lediglich passive Bauteile (Kondensatoren, Spuren, Widerstände) zum Einsatz kommen, die zudem aufgrund des hohen Stromflusses ausreichend dimensioniert sein müssen.

Eine Aktivlautsprecher-Lösung unterscheidet sich nun gleich in mehrfacher Hinsicht von der oben dargestellten Variante, das erste offensichtliche Merkmal ist die eigene Stromversorgung des Aktivlautsprechers. Diese ist zunächst deshalb notwendig, weil der Leistungsverstärker hier integraler Bestandteil des Lautsprechers ist, tatsächlich besitzt sogar in den meisten Fällen jeder Treiber eine eigene Endstufe. Die Trennung des Musiksignals in die einzelnen Frequenzbereiche findet hier bereits vor der Verstärkung statt, woraus sich sowohl Unterschiede hinsichtlich der Größe der verwendeten Bauteile als auch bezüglich des Aufbaus der Weiche insgesamt ergeben. Wieder gibt die Bezeichnung den entscheidenden Hinweis: Es werden aktive Bauteile einsetzt (Operationsverstärker, Transistoren), die ebenso wie die integrierten Leistungsverstärker auf die oben erwähnte Stromversorgung angewiesen sind.

Bei der digitalen Weiche schließlich handelt es sich im Prinzip um einen Spezialfall der aktiven Frequenzweiche. Sie bietet etwa die Möglichkeit das Signal digital zu trennen oder Laufzeit- und Frequenzkorrekturen vorzunehmen, um die Performance des Lautsprechers weiter zu optimieren oder Anpassungen an individuelle räumliche Gegebenheiten vorzunehmen. Weiterhin lässt sich – entsprechende Eingänge am aktiven Lautsprecher vorausgesetzt – natürlich theoretisch der gesamte Signalweg von einer digitalen Quelle bis hin zur Digital-Analog-Wandlung vor den Leistungsverstärkern ohne Unterbrechung digital bestreiten.

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Pro, Contra und Prognose

Bevor wir, unter der Voraussetzung veränderter Bedingungen des Musikkonsums, einen Ausblick in die Zukunft wagen, wollen wir in aller Kürze die technischen Argumente für das eine oder andere System umreißen. Ein zentraler Streitpunkt ist hier die Frequenzweiche selbst. Befürworter aktiver Lösungen weisen darauf hin, dass der Einsatz massiver passiver Bauteile zur Trennung des bereits verstärkten Signals teilweise kaum zu korrigierende Beeinträchtigungen zur Folge hat und sich die Bewegung der Chassis zudem nur unzureichend kontrollieren lässt (Stichwort Dämpfungsfaktor). Darüber hinaus könnten die Hersteller absolut maßgeschneiderte Weichen- und Verstärkerkombinationen entwickeln und durch den Einsatz digitaler Technik weitere Optimierungsmöglichkeiten nutzen oder sogar dem Endkunden, zum Beispiel in Form eines Einmesssystems, zur Verfügung stellen. Verfechter des passiven Ansatzes hingegen ziehen beispielsweise in Zweifel, ob die verbauten Leistungsverstärker tatsächlich höchsten Qualitätsansprüchen genügen und die Hersteller ausreichend Kompetenz im Bereich Verstärker- bzw. Digitaltechnik besitzen. Des Weiteren argumentieren sie, dass hochwertige passive Weichen eben doch in der Lage sind das Signal verzerrungsarm zu trennen und auch aktive Bauteile nicht per se verlustfrei arbeiten.

Da es in der Praxis im mittleren und gehobenen Preissegment genügend Beispiele beider Varianten mit ganz hervorragenden Wiedergabeeigenschaften gibt, ist diese Diskussion natürlich ein Stück weit zu relativieren. Interessant ist auf jeden Fall die Feststellung, dass Aktivlautsprecher im professionellen Studio-Bereich fast ausschließlich zur Anwendung kommen, während im HiFi-Bereich die Kombination aus externem Verstärker und passiven Lautsprechern immer noch bevorzugt wird. Diese Präferenz ist sicherlich zu einem guten Teil auch historisch gewachsen und hier spielen verschieden Aspekte von der technischen Entwicklung über die Ästhetik bis hin zur Macht der Gewohnheit eine Rolle. Immerhin hat die Stereoanlage – bestenfalls auch optisch ein Hingucker, ob nun mit leuchtenden Röhren oder im modernen Gewand – seit Jahrzehnten in vielen Haushalten einen angestammten Platz und das Erweitern des Systems beziehungsweise das Experimentieren mit verschiedenen Komponenten gehört für viele HiFi-Begeisterte im wahrsten Sinne des Wortes zum guten Ton.

Ob Aktivlautsprecher hier in Zukunft Boden gut machen können bleibt deshalb abzuwarten, allerdings gibt es durchaus Gründe dieses anzunehmen. Im Bereich der Kompaktsysteme und bei den aktuellen Multiroom-Spezialisten ist das Aktiv-Prinzip bereits gang und gäbe. Gemeinsam mit dezidierten DACs, Netzwerkspielern und Musikservern, Smartphones, Tablets und nicht zu vergessen den Streaming-Diensten sind sie einerseits Ausdruck eines sich veränderten Nutzungsverhaltens und treiben diese Veränderung ihrerseits weiter voran. Die Möglichkeit, auch hochwertige Elektronik immer kleiner und dezenter zu realisieren, wird außerdem Einfluss darauf haben, wie viel Raum wir bereit sind elektronischen Geräten in unserer Umgebung einzuräumen. So könnte die klassische Kombination aus externem Verstärker und passiven Lautsprechern tatsächlich an Bedeutung verlieren, während sich die Gleichung für hochwertige Musikwiedergabe in Zukunft immer häufiger auf eine (digitale) Quelle und ein Paar Aktivlautsprecher reduziert.

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